Objekt des Monats 10/2022

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum.
Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten

Butterdose der Wehrmacht

Inv. Nr.: DPM 1.924

Soldat:innen verbrauchen durch ihre körperlich anstrengende Tätigkeit wesentlich mehr Kalorien als andere Berufe. Wenn sie in einem kalten Klima kämpfen, erhöht sich der Kalorienverbrauch noch um ein Wesentliches. Insbesondere im Krieg steht der höhere Kalorienverbrauch der Soldat:innen in Konkurrenz mit der Versorgung der Zivilbevölkerung.

Fett ist lebenswichtiger Bestandteil der Ernährung und kalorienreich. Wehrmachtsoldaten führten neben dem Essgeschirr und dem so genannten Brotbeutel auch eine Butterdose mit. Deren Design hatte sich seit der Kaiserzeit wenig verändert. Sie bestand aus einer Metalldose mit Schraubverschluss und einem innenliegenden Glasbehälter. Im Laufe des Krieges wurden auch verschiedene Modelle aus dem recht neuen Kunststoff Bakelit hergestellt. Die Füllung der Butterdose stellte die nationalsozialistische Führung jedoch vor Probleme.

Bereits vor dem Krieg waren im Deutschen Reich Butter und Margarine knapp, 1935 kam es zu Versorgungsengpässen und Rationierungen. Dies lag auch an der Ausrichtung der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik: Der Propagandaminister Joseph Goebbels erklärte im Jahr 1936, dass „man zur Not auch einmal ohne Butter, nie aber ohne Kanonen auskommen“ könne. Mehr als die Hälfte der im Reich konsumierten Butter und Margarine musste importiert werden. Die Handelsblockade der Alliierten während des Krieges beeinträchtigte auch den deutschen Import von Tran, welcher der Hauptbestandteil von Margarine in der Zeit war.

Um weniger abhängig von Importen zu sein, intensivierten die Nationalsozialisten die Produktion von Fetten im Reich. Aber auch die Arbeiter auf den Bauernhöfen fehlten. Bereits vor dem Krieg wechselten viele lieber für bessere Löhne in die Fabrik. Für den Krieg wurden zusätzlich Arbeitskräfte in die Wehrmacht eingezogen. In den landwirtschaftlichen Betrieben und auf den Bauernhöfen arbeiteten Zwangsarbeiter:innen, die aus den besetzten Gebieten verschleppt wurden. Sie mussten ebenfalls versorgt werden, aber ihre Lebensmittelrationen waren wesentlich niedriger als die der deutschen Arbeiter:innen und reichten zum Teil nicht zum Überleben. Sie machten zum Kriegsende hin die Hälfte der Arbeitskraft in der Landwirtschaft aus.

Die Wehrmacht wurde jedoch nur zum Teil mit Lebensmitteln aus dem Reich beliefert. Bei der Planung des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion wurde das Verhungern der Zivilbevölkerung der besetzten Gebiete bewusst einkalkuliert. Wehrmachtsoldaten „organisierten“ sich zudem ihre Lebensmittel durch Kauf, Erpressung oder Raub von der lokalen Bevölkerung.

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