Objekt des Monats 11/2019


Objekt des Monats 11/2019

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum.
Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten

Eisernes Kreuz II. Klasse, Erster Weltkrieg

Inventarnummer: DPM 3.2426

Die Stiftung des Eisernes Kreuzes im Ersten Weltkrieg bedeutete seine zweite Wiederbelebung: 1813 erstmals gestiftet, wurde es auch im Krieg gegen Napoleon 1870/71 verliehen. Die erneute Verleihung der Kriegsauszeichnung ab 1914 passt damit auch zu der damals forcierten Erzählung, der Erste Weltkrieg sei Deutschland aufgezwungen worden. Der Hauptfeind war auch in diesem Fall wieder Frankreich.

Orden und Ehrenzeichen sollen die Leistungen Einzelner herausstellen und sie in der Masse als vorbildhafte Individuen kennzeichnen. Im Ersten Weltkrieg, als Soldaten als ‚Menschenmaterial‘ in Materialschlachten innerhalb kürzester Zeit ‚verbraucht‘ wurden, wurde der ‚heroische‘ Kampf Mann gegen Mann selten und viele Soldaten starben, ohne je einen Feind gesehen zu haben. Das Eiserne Kreuz war hierzu kein Widerspruch, sondern verkörperte vielmehr das Bedürfnis nach der Handlungsmächtigkeit des Einzelnen. Es war deshalb auch noch im Grabenkrieg relevant.

Bis Kriegsende im November 1918 wurden 163.000 Eiserne Kreuze Erster Klasse und 5 Millionen Zweiter Klasse gestiftet:  Damit hatte nahezu jeder dritte Soldat ein Eisernes Kreuz erhalten. Zwar nahm die Wertschätzung der Auszeichnung zusammen mit der Moral der Soldaten zum Ende des Krieges ab, doch an ihrem symbolischen Wert wurde in der Nachkriegszeit wieder festgehalten: Der mit dem Eisernen Kreuz geschmückte, um Almosen bettelnde ‚Kriegskrüppel‘ diente in der Weimarer Republik häufig als moralische Anklage gegenüber der fehlenden gesellschaftlichen und finanziellen Anerkennung der Opferbereitschaft der Soldaten.

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Objekt des Monats 10/2019


Objekt des Monats 10/2019

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum.
Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten

Feldbluse der Bundeswehr aus dem Afghanistan-Einsatz

Inventarnummer: DPM 1.901

Eine Uniform ist mehr als nur Bekleidung. Sie leistet auch einen Beitrag zum Schutz der Soldatinnen und Soldaten. Ein Faktor ist hierbei die Tarnfähigkeit. Für Einsatzländer mit einem wärmeren und trockeneren Klima als Mitteleuropa führte die Bundeswehr eine leichtere Version der Feldbluse in Tropentarn ein. Dieses Muster für Wüstengebiete orientiert sich am regulären Drei-Farben-Tarndruck, besteht jedoch aus braunen und grünen Mustern auf sandfarbenem Grund.

Diese Feldbluse wurde 2014 im Afghanistan-Einsatz getragen. Der Einsatz der Bundeswehr im Land am Hindukusch als Teil der „International Security Assistance Force“ (ISAF) war der erste über mehrere Jahre andauernde Kampfeinsatz der Bundeswehr in ihrer Geschichte. Seit 2002 nahm die Bundeswehr an der Mission teil, ab dem Jahr 2008 entwickelte sich der Stabilisierungseinsatz zu einem Kampfeinsatz. Deutsche Soldatinnen und Soldaten wurden zunehmend Teil kriegerischer Auseinandersetzungen und Ziel von Anschlägen. In bisher keinem anderen Einsatz starben mehr Bundeswehrsoldaten.

Oft zeigt sich erst im konkreten Einsatz, ob ein Bekleidungsstück Verbesserungen benötigt. Daher nehmen Soldatinnen und Soldaten im Einsatz häufig Änderungen an der Uniform vor. Diese können dazu dienen, die Funktionalität der Uniform oder Ausrüstungsteile zu verbessern oder sie zu individualisieren. Ein ortsansässiger Schneider ersetzte an dieser Feldbluse alle Druckknöpfe gegen Klettverschlüsse und ergänzte Taschen an den Ärmeln. Ihr Träger ließ diese Änderungen vornehmen, da er im Rahmen seiner Tätigkeit eines Transportzuges häufig eine schusssichere Weste tragen musste. Die Taschen unterhalb der Weste konnten nicht genutzt werden und Knöpfe wurden als unangenehm empfunden. Zudem befürchtete er, dass sich alle harten Materialien unterhalb der Weste in den Körper bohren könnten, sollte er durch eine Sprengfalle oder einen Selbstmordattentäter angesprengt werden. Diese Sorge war nicht unbegründet. Bis zum Ende der ISAF-Mission starben 22 deutsche Soldaten durch Sprengfallen und Selbstmordattentäter.

Diese Bedürfnisse an die Uniform im Einsatz setzte die Bundeswehr im Combat-Shirt um, welches im Brustbereich keinerlei Knöpfe mehr aufweist sowie größere Ärmeltaschen hat. Trotz Ende der ISAF-Mission im Dezember 2014 bereitet sich die Bundeswehr mit ihrer Ausrüstung auf weitere, möglicherweise wieder langandauernde Einsätze vor, die Gefechte mit einschließen können.

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Objekt des Monats 09/2019


Objekt des Monats 09/2019

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Nahkampfkeule

Inventarnummer: 4.8

Als im Ersten Weltkrieg an der Westfront der Bewegungskrieg im Grabensystem erstarrte, wurden Kämpfe zunehmend aus der Distanz geführt. Die meisten Soldaten starben nicht im Angesicht des Gegners, sondern durch Artilleriefeuer, Maschinengewehrkugeln und Bomben. Mit punktuellen massierten Attacken, denen Artilleriefeuer auf die Stellungen vorherging, sollten Einbrüche erzielt werden, welche häufig hohe Verluste bei den Angreifenden verursachten. Kleinere Überfälle gegnerischer Schützengräben dienten auch dazu, um Gefangene zu machen, die zu Plänen und Standorten der feindlichen Truppen verhört werden konnten.

Auch wenn im Verhältnis zur Gesamtzahl nur wenige Soldaten durch solche Überfälle verletzt und getötet wurden, war die Angst davor trotzdem groß und viele Soldaten fühlten sich für diese Art von Kampf unzureichend ausgerüstet: Die Gewehre waren meist zu lang und unhandlich für die engen Gräben und Handgranaten mussten vorsichtig eingesetzt werden, um sich selbst nicht zu verletzen. Bevor 1915 offiziell Grabendolche zur Ausrüstung ausgegeben wurden, bastelten sich Soldaten häufig improvisierte Waffen, indem sie ihre Spaten anschliffen oder mittelalterlich anmutende Schlaginstrumente bastelten.

Die Nahkampfkeule unserer Sammlung wurde aus einem Holzstück und Metallteilen hergestellt, die wahrscheinlich im Schützengraben gefunden worden sind. Viele dieser individuell angefertigten Keulen bestehen aus gefundenen Materialien wie Stacheldraht, Geschossstücken, Sägeblättern und Nägeln. Mit der Schlaufe am Ende konnte die Nahkampfkeule an der Koppel oder am Handgelenk stets mitgetragen werden. Ob sie tatsächlich bei einem Angriff mitgeführt oder als Verteidigung eingesetzt wurde, ist unbekannt. Diese Art von Waffen hatten jedoch auf jeden Fall eine psychologische Funktion: Sie konnten beruhigend wirken, da sich die Besitzer für einen etwaigen feindlichen Überfall vorbereitet und gewappnet fühlten. Mit der Vorbereitung eines Kampfes Mann gegen Mann wirkten sie außerdem dem Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit in den anonymen industrialisierten Schlachten entgegen.

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Objekt des Monats 08/2019

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PC-Spiel Panzer General II

Inventarnummer: Ü 54

Vor über 25 Jahren erschien das Strategiespiel „Panzer General“ und wurde sogleich von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM) aufgrund von „Auslassung historischer Zusammenhänge und der Verharmlosung der Rolle der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg“ indiziert. Als problematisch wurde insbesondere der Kampagnenmodus gesehen, in welcher Spielende für das nationalsozialistische Deutschland den Zweiten Weltkrieg mit einer Invasion Großbritanniens und der USA gewinnen können. In einer Nachverhandlung hob das BPJM wenige Monate später die Indizierung des Spiels „Panzer General“ auf. Aufgrund der „überwiegend schematischen Darstellung“ der 8-bit-Pixelgrafik und dem Versuch einer historischen Kontextualisierung im Handbuch war das Spiel fortan ab 16 Jahren freigegeben. Die Gutachter beurteilten die Verherrlichung der nationalistischen „Blitzkrieg“-Kriegsführung weiterhin als „sehr kritisch“, trauten 16jährigen jedoch zu, bereits so viel historisches Hintergrundwissen zu haben, dass „keine politisch oder andere Desorientierung zu erwarten ist.“

Trotz oder gerade wegen der zeitweiligen Indizierung verkaufte sich das Spiel in Deutschland sehr gut. Der internationale Erfolg ermutigte die Entwickler der Firma SSI zu einer Reihe von Nachfolgeprogrammen, der „Five-Star-Series“. Da der kommerzielle Erfolg dieser Programme im Vergleich zu „Panzer General“ deutlich schwächer ausfiel, konzentrierte man sich danach auf inhaltlich direkte Nachfolger: „Panzer General II“ und „Panzer General III“.

Das Videospiel in unserer Sammlung trägt zwar den Namen „Panzer General II“, dahinter verbirgt sich allerdings „Allied General“ aus der „Five-Star-Series“. Der deutsche Vertriebspartner erhoffte sich mutmaßlich von dieser abweichenden Benennung einen größeren Verkaufserfolg. „Allied General“ bot jedoch im Unterschied zu „Panzer General“ eine Kampagne aus alliierter Sicht an und die Rezeption in der deutschen Spielergemeinde fiel sehr gemischt aus. Bei Erscheinen des offiziellen „Panzer General II“ in Deutschland wählte man die Bezeichnung „Panzer General 3D“, obwohl das Programm keine echte 3D-Grafikdarstellung verwendete.

Die „Panzer General“-Reihe setzte aufgrund seines rundenbasierten Spielprinzips und der Darstellung militärischer Schlachten neue Maßstäbe für Kriegsspiele. Um zu gewinnen, mussten die Spielenden im Sinne des Gefechtes der verbundenen Waffen agieren und unterschiedliche Waffentypen für bestimmte Ziele einsetzen. Im Verlauf des Spiels verbessern sich die Fähigkeiten der eigenen Einheiten aufgrund von Erfahrungspunkten und die einzelnen Szenarios sind in größere Zusammenhänge eingebettet.

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Objekt des Monats 07/2019

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Zeltbahn mit Tarnmuster

Inventarnummer: Ü 214

Tarnung dient der optischen Verschmelzung eines Objekts mit seiner Umgebung. Dabei muss die Farbauswahl und das Muster je nach Einsatzgebiet und Wetterverhältnis angepasst werden. Nahezu jede Nation hat ihre eigenen Tarnmuster entwickelt und weiterentwickelt. Von den handgemalten Farbflächen des Ersten Weltkrieges bis zu den heutigen computergenerierten Digitalmustern existiert in der Militärgeschichte und mittlerweile sogar in der zivilen Mode eine nahezu unendliche Varianz von Camouflagemustern.

Zuerst nutzte 1929 die italienische Armee seriell Tarnmuster für ihre Zelte und später Uniformen. 1931 wurden in der Reichswehr die markanten dreieckigen Zeltbahnen mit einem Camouflagemuster eingeführt. Davor wurden in den deutschen Armeen einfarbig graue Zelte verwendet. Das für die „Zeltbahn 31“ entwickelte Tarnmuster „Buntfarbendruck 31“, später als Splittermuster bezeichnet, zeigt auf einem beigefarbenen Grund grüne und braune geometrische Formen und darüberliegende kurze, dunkle Streifen. Es stellt eine Weiterentwicklung der kontrastierenden Muster dar, die bereits im Ersten Weltkrieg zumeist per Hand auf Ausrüstungsteile wie dem Stahlhelm oder militärisches Gerät gemalt wurden. Die hinzugefügten Linienelemente sollten – wie fallender Regen oder Grashalme – die harten Übergänge zwischen den Farben aus der Ferne verschwimmen lassen.

Nicht nur hinsichtlich der Tarnung, sondern auch in der Formgebung der Zeltbahn wurde von dem einfachen grauen Rechteck Abstand genommen. Das dreieckige Stoffstück mit diversen Ösen und Knöpfen war ein Multifunktionstool und konnte für sich genommen als Windschutzzelt, als Trage für Verletzte oder kombiniert mit weiteren Zeltbahnen als Schlafzelt dienen. Eine Öffnung in der Mitte ermöglicht, die Zeltbahn zum Regenschutz als Poncho über der Uniform zu tragen.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde Splittertarn in der Wehrmacht für eine große Zahl weiterer Ausrüstungsteile wie Helmüberzüge, Jacken, Hosen und Handschuhe verwendet. Einige der Ausrüstungsteile waren beidseitig verwendbar, sodass die Soldaten das gleiche Stück in Splittertarn oder in weißer Winterversion tragen konnten. Von dem Tarnmuster existierten einige Abwandlungen, zum Beispiel das etwas verschwommenere Sumpftarn. Die Bundeswehr nutzte in ihren Anfangsjahren ebenfalls ein Tarnmuster, das an das Muster von 1931 erinnerte, ersetzte dieses dann aber bald und für die nächsten Jahrzehnte durch das typische Bundeswehr-Oliv. Das Muster beeinflusste in dieser Zeit jedoch maßgeblich die Entwicklung von Tarnmustern im osteuropäischen Raum.

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Objekt des Monats 06/2019

Objekt des Monats 06/2019

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Infoheft der Bürgerinitiative Amelinghausen

Inventarnummer: DPM 6.1502

Die Lüneburger Heide bietet mit ihrer einmaligen Landschaft Einheimischen sowie Touristinnen und Touristen Erholung und frische Luft. Das Naturschutzgebiet um den Wilseder Berg bildet eines der größten zusammenhängenden Heidegebiete Europas und wurde bereits 1921 unter Schutz gestellt. Doch neben Heidschnucken, Fahrrädern und Pferdekutschen bevölkerten vor nicht allzu langer Zeit noch zahlreiche Panzer die Straßen und Felder der Region.

Dies erlaubte das zwischen der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Nordirland und Kanada im Jahr 1963 abgeschlossene Soltau-Lüneburg-Abkommen, nach welchem gekennzeichnete „Rote Flächen“ der Naturschutzgebiete für militärische Zwecke genutzt werden durften. Hierfür mussten auch private Grundstückseigner sowie der Verein Naturschutzpark e.V., der einen großen Teil der Heide nach Vorbild der US-amerikanischen Nationalparks ankaufte und verwaltete, ihr Eigentum zur Verfügung stellen. In Deutschland stationierte Truppen der Alliierten führten darin Übungen durch, die Bundeswehr war hiervon ausgeschlossen. Die Schäden an Straßen, Feldern und Privatgrundstücken durch Panzer und zahlreiche Unfälle sind vielen Bürgerinnen und Bürgern der Region bis heute im Gedächtnis geblieben. Zwar ging ein Ausschuss diesen Schäden nach und sorgte für eine Entschädigung, die Heidelandschaft der Roten Flächen glich jedoch zunehmend einer Einöde.

Die Bürgerinitiative Amelinghausen gründete sich 1988 als Umweltschutzverein mit dem vollen Namen „Bürgerinitiative für Umweltschutz durch Verringerung militärischer Belastungen Amelinghausen e.V.“ Das Deckblatt des Infoheftes zeigt eine Heidschnucke, die mit ihren Hörnern das Rohr eines Panzers verbiegt. In dieser Zeit bildete sich auch die Bürgerinitiative Schneverdingen zur Erhaltung von Natur- und Kulturstätten der Heideregion. Beide wandten sich gegen die Umweltzerstörung durch die militärische Nutzung der Naturschutzgebiete, gegen die Umsiedlung von Bewohnerinnen und Bewohnern alter Heidedörfer zum Ausbau von Truppenübungsplätzen und forderten die Aufkündigung des Soltau-Lüneburg-Abkommens.

Nach 1989 erfolgten nach einer Neuverhandlung des Abkommens diverse Zugeständnisse an die Bürgerinnen und Bürger der Region: So durfte beispielsweise nicht mehr an Feiertagen, Wochenenden und in der Heideblütenzeit zwischen August und September geübt werden. 1994 wurde das Abkommen aufgelöst. Seitdem restauriert der Verein Naturschutzpark e.V. und dessen Stiftung seine Flächen, unter anderem mit EU-Mitteln.

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