Objekt des Monats 05/2018

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum.
Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten.

Grabendolch aus dem Ersten Weltkrieg
Inventarnummer: DPM 1.265.1-2

Im industrialisierten Ersten Weltkrieg erreichten die Waffen eine immer höhere Reichweite, Artillerieduelle wurden nicht selten über viele Kilometer hinweg ausgefochten. Doch mit dem Stellungskrieg rückten die Kriegsgegner gleichzeitig auch wieder ganz nah aneinander heran: Soldaten kämpften im Stoßtruppverfahren und überfielen auch eingegrabene feindliche Truppen, um die gegnerischen Systeme zu erkunden, den Gegner zu demoralisieren, von Gefangenen wertvolle Informationen zu erhalten oder um Vergeltung zu üben. Für den Zweikampf in den engen Grabensystemen waren bisher übliche lange Waffen wie Gewehre und darauf aufgepflanzte Bajonette nicht geeignet. Dies erkannten alle Kriegsparteien recht schnell, wodurch unter anderem das Messer als Waffe eine Renaissance erlebte.

Zunächst fertigten sich die Soldaten selbst abenteuerliche Nahkampfwaffen aller Art wie geschliffene Spaten oder Keulen, die mit Nägeln durchtrieben oder mit Stacheldraht umwickelt wurden. Im Deutschen Reich reagierte das Heer 1915 auf diese Entwicklung, indem es unterschiedliche so genannte Grabendolche an die Truppe ausgab. Diese wurden anders als Bajonette in der Regel nicht auf das Gewehr aufgepflanzt, sondern an dem Koppel getragen. Von diesen Dolchen gab es unzählige Varianten; einige wurden offiziell abgenommen, andere zum Beispiel aus defekten Bajonetten und zivilen Jagdmessern hergestellt.

Der hier zu sehende Dolch ist eine abgenommene Dienstwaffe und damit eine Standardausführung mit einer geschwärzten Stahlblechscheide und lederner Koppelschlaufe. Auf der Klinge unterhalb des Parierstücks steht der Name des Herstellers: Der Klingenhersteller Gottlieb Hammesfahr besaß eine innovative Stahlwarenfabrik in Solingen und setzte früh auf die Mechanisierung von Arbeitsschritten. Dies gefährdete zahlreiche Arbeitsplätze in der Fabrik, weshalb die Belegschaft Streiks organisierte, worauf Hammesfahr jedoch nicht reagierte. Sein Unternehmen wurde letztlich von den neuen Rüstungsaufträgen während des Krieges vor dem Ruin gerettet.

 

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