Postkarte einer Kaserne in Villingen, 1939

Inv. Nr.: DPM 3.2414

08/2026

Als ein Wehrmachtsoldat diese Postkarte im Jahr 1939 an seine Familie schickte, war die abgebildete Boelcke-Kaserne in Villingen erst seit knapp drei Jahren fertiggestellt. Im Rahmen der massiven Aufrüstung der Wehrmacht errichtet, war sie im Vergleich zu den umliegenden Gebäuden der Kaiserlichen Armee modern und der Postkartenschreiber bezeichnete sie als „sehr gut eingerichtet“. Vor dem Kasernentor stand die Skulptur eines Panzerkampfwagen I, obwohl dort nie so ein Fahrzeug stationiert war.

Die Heeresbauverwaltung hatte im Jahr 1934 den Bau einer „Kraftfahrerkaserne“ neben der bereits seit Beginn des Ersten Weltkriegs in Villingen bestehende Richthofen-Kaserne geplant. Einheiten der zunächst „Kraftfahrkampftruppe“ genannten Panzertruppe sollten sie nutzen. Gemäß eines Erlasses des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda sollten öffentliche Neubauten – auch Kasernen – mit Kunstwerken dekoriert werden. In Villingen fiel die Wahl auf das neueste Panzermodell der Wehrmacht, dessen Produktion im Jahr 1934 begonnen hatte. Im Frühjahr 1936 zog dann eine Panzerabwehr-Abteilung in die neue Boelcke-Kaserne ein. Diese Abteilung gehörte ursprünglich einer Panzerdivision an und setzte Panzerabwehrkanonen mit Zugwagen ein. Ende 1941 wurde sie der 5. Infanterie-Division unterstellt und kämpfte während des Zweiten Weltkrieges mit dieser an der Ostfront.

Nach Ende des Krieges im Jahr 1945 übernahmen französische Besatzungstruppen die Anlage und benannten sie in „Welvert-Kaserne“ um. Das französische Militär nutzte die Gebäude für aktive Einheiten der Infanterie und Artillerie, sowie für Ausbildungseinheiten. Sie entfernten das Hakenkreuz am Eingangstor, die Skulptur blieb jedoch an ihrem Platz. Nachdem im Jahr 1997 die militärische Nutzung endete, sollte die Kaserne in ein Wohngebiet umgewandelt werden. Das Panzermuseum erhielt die Skulptur dank der Vermittlung des Fördervereines im Jahr 2002. Sie steht bis heute im Innenhof des Museums.

Quellen


Meyer-Bohde, Thomas: Militärisches Bauen in den 30er und 40er Jahren. Eine Dokumentation der städtebaulichen Strukturen, einzelner Bauwerkstypen und ihrer Teile sowie beispielhafte Lösungen für den Umgang mit der zeitgenössischen Bausubstanz durch die Bundeswehr heute. Berlin/Bonn 2005.

o.A.: Die Geschichte der Panzerabwehr-Abteilung 5 vom 15. Oktober 1945 bis 31 Dezember 1937. Villingen 1937.

Schenkel, Bernd: Die Welvert-Kaserne. Von der militärischen Nutzung zum attraktiven Wohngebiet. Villingen-Schwemmingen 2007.

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