Ärmelschild Cholm, 1942

Inv. Nr.: DPM 3.2414

07/2026

Diesen „Cholmschild“ erhielt das Panzermuseum 1995 von einem Überlebenden aus dem Kessel von Cholm – er überlebte die Schlacht schwer verwundet und wohl als einziger seiner Einheit, der Nachrichten-Abteilung 42. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er Medizin und Naturwissenschaften und hängte den Ärmelschild in sein Arbeitszimmer in der Erprobungsstelle 53 der Bundeswehr für ABC-Abwehr in Munster.

Die Wehrmacht nahm die Kleinstadt Cholm im Nordwesten der Sowjetunion im August 1941 ein. Da sie an einem Verkehrsknotenpunkt lag, nutzte sie sie für rückwärtige Dienststellen und Nachschubeinheiten, weshalb sich Angehörige diverser Einheiten und Verbände in der Stadt befanden. Mit Einbruch des Winters kam der Vorstoß der deutschen Truppen zum Erliegen. Da die umliegenden Gewässer und Sumpfgebiete zugefroren waren, konnte die Rote Armee bei einer Gegenoffenisve im Januar 1942 auch mit Panzern vorstoßen und schloss Cholm ein. Die Angehörigen der eingeschlossenen Polizei- und Wehrmachteinheiten verfügten lediglich über MGs, Panzerabwehrkanonen und Granatwerfer und erhielten Artillerieunterstützung von außen. Aus der Luft wurden sie mit Lebensmitteln und Munition versorgt.

Die deutschen Truppen bewohnten gemeinsam mit den wenigen verbliebenen Einwohner:innen die Keller und Ruinen der zerstörten Stadt. Etwa 1.550 Deutsche starben bei den Gefechten, an Krankheiten und der Kälte von weniger als 40 Grad unter Null. Die Zahl der zivilen Opfer ist nicht bekannt. Ein Überlebender, dessen Polizeiverband in Cholm ein Mädchen erhängte und im Kriegsverlauf für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich war, war Gebrauchsgrafiker und gestaltete den Cholmschild während der Gefechte. Anfang Mai durchstießen deutsche Sturmgeschützeinheiten den Kessel und befreiten die Eingeschlossenen nach 105 Tagen. Zwei Monate später wurde der Schild offiziell als Ehrenzeichen genehmigt und etwa 5.500 Personen beantragten ihn für sich oder posthum für Angehörige. Soldaten erhielten bis zu fünf Stück für ihre Uniformen und Mäntel und nähten den Schild an der linken Ärmelseite auf.

Die deutsche Bevölkerung erfuhr erst nach der Befreiung der Truppen aus dem Kessel von der Belagerung.

Quellen


Klink, Ernst: Heer und Kriegsmarine, in: Boog, Horst / Förster, Jürgen, Hoffmann, Joachim u.a.: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 4: Der Angriff auf die Sowjetunion, Stuttgart 1987.

Muck, Richard: Kampfgruppe Scherer – 105 Tage eingeschlossen, Oldenburg 1943.

http://www.gelsenzentrum.de/polizeibatallion_65.htm (Zugriff: 29.06.2026)

Objekt des Monats

(kurz-)Geschichten aus dem Depot

Viele Objekte können aus konservatorischen Gründen in der Ausstellung aktuelle leider nicht gezeigt werden. Hier finden Sie ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten besonderer Stücke aus dem Depot