Olympia-Schreibmaschine, 1942

Inv. Nr.: Ü 330

06/2026

Schreibmaschinen revolutionierten Anfang des 20. Jahrhunderts die Büroarbeit, zuvor wurde vor allem mit der Hand geschrieben. Die Allgemeine-Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) in Berlin wollte daran einen Anteil haben und brachte im Jahr 1903 das Modell „Mignon“ heraus, im Jahr 1930 folgte die erste Schreibmaschine namens „Olympia“. Nach ihr benannte AEG im Jahr 1936 ihre Tochterfirma in „Olympia-Büromaschinenwerke AG“ um.

Im gleichen Jahr brachte Olympia eine verstärkte Version ihrer Kleinschreibmaschine „Olympia Progress“ auf den Markt: „Olympia Robust“. Statt Chrom und glänzendem Schwarz war die zusätzlich verstärkte Maschine Mattgrau und die Metallteile brüniert. Der nationalsozialistische Staat bestellte sie sowohl für die zivile Verwaltung, als auch das Militär. Im Jahr 1942, als diese Schreibmaschine die Fabrik verließ, stellte Olympia ihre millionste Schreibmaschine her.

Als einziges NS-Symbol schaffte es die „SS-Rune“ als Sonderzeichen auf die Tastatur. Genutzt wurde das Symbol auf der Taste „5“ in der Schriftsprache für die Schutzstaffel und ihren militärischen Arm, die Waffen-SS, sowie den damit verbundenen Dienstgraden und Ämtern. Mit einer Rune hatte das Logo der Organisation jedoch nichts zu tun, der damalige Designer empfand im Jahr 1929 die an Blitze erinnernde Schrifttype einfach als passend. Die mythische Aufladung geschah erst nachträglich durch die NS-Propaganda.

Bedient haben Schreibmaschinen zumeist Frauen, etwa 95% der Stenotypist:innen im NS-Staat waren weiblich. Sie arbeiteten für die Polizei, Wehrmacht und SS, in den Schreibstuben der Kasernen, in den besetzten Gebieten und in Konzentrationslagern. Auch der industrialisierte Krieg wäre nicht ohne Schreibmaschinen zu führen gewesen: Millionen Männer in Panzerdivisionen, Jagdgeschwadern und Marineflottillen wurden durch getippte Weisungen vom Oberkommando der Wehrmacht bis hinunter zum eigenen Verband formiert und bewegt.

Quellen


Hinrichs, Elisabeth / Ittner, Aileen / Rother, Daniel: XX – die SS-Rune als Sonderzeichen auf Schreibmaschinen, Leipzig 2009.

Morgenbesser, Herbert: Deutsche Großbetriebe Band 4 – Die Schreib- und Rechenmaschinenfabrikation – Olympia Werke AG – Wilhelmshaven, Berlin 1962.

DasPanzermuseum: „Die „Runen“ der SS – historisch bedeutsame Zeichen oder schlicht ein Design?“, YouTube-Video vom 23.02.2026: https://www.youtube.com/watch?v=Z8t7M_VlQyM

Objekt des Monats

(kurz-)Geschichten aus dem Depot

Viele Objekte können aus konservatorischen Gründen in der Ausstellung aktuelle leider nicht gezeigt werden. Hier finden Sie ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten besonderer Stücke aus dem Depot