Objekt des Monats 01/2022

Objekt des Monats 01/2022

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum.
Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten

Uniform Stahlhelmbund

Inv. Nr.: DPM 1.1002

Der deutsche Stahlhelm ist eines der zentralen Symbole des Ersten Weltkrieges. Nicht alle deutschen Soldaten erhielten einen, sondern zunächst nur diejenigen, die an der Front besonders gefährdet waren. Erstmals für alle Dienstgrade gleich, ohne regionale oder schmückende Kennzeichen, wurde er zum Symbol dieser Schicksalsgemeinschaft in den Schützengräben. Eine Gemeinschaft kann nur mit dem Ausschluss anderer gebildet werden: So sahen sich Soldaten, die längere Zeit an der Front eingesetzt waren, als elitäre Frontkämpfer und blickten auf Soldaten der Unterstützungseinheiten und in der Etappe herab.

So ist es wenig verwunderlich, dass der Stahlhelm namensgebend für einen Veteranenbund wurde: „Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“ oder kurz Stahlhelmbund genannt. Er war einer der einflussreichsten und mitgliederstärksten Wehrverbände der Weimarer Republik und wurde bereits wenige Wochen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gegründet. Der Bund war jedoch keine Kaffeerunde für alte Kameraden, sondern eine paramilitärische Organisation, die zwar überparteilich sein wollte, jedoch alles andere als unpolitisch war: Seine Gründer wollten Soldaten zusammenführen, die während der Novemberrevolution gegen linke Revolutionäre kämpfen wollten. Später positionierten sie sich gegen das demokratische System der Weimarer Republik. Zunächst nur im Magdeburger Raum aktiv, weitete sich der Stahlhelmbund im Laufe der 1920er Jahre zu einer Massenorganisation mit Mitgliedern aus den ehemaligen Freikorps und Einwohnerwehren im ganzen Reichsgebiet aus.

Die Uniform stammt von einem Mitglied aus dem Gau „Oldenburg-Ostfriesland“. Sie erinnert nicht nur zufällig an die feldgrauen Uniformen des Reichsheeres: Der Wegfall der Wehrpflicht und die Auflösung vieler Garnisonen in Deutschland trennte Bevölkerung und Militär, die während der Kaiserzeit noch eng verwoben gewesen waren. Organisationen wie der Stahlhelmbund führten die ehemaligen Soldaten wieder in die Mitte der Gesellschaft. Die uniformierten Mitglieder organisierten Kulturveranstaltungen und waren fest im national gesinnten Bürgertum verankert. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages, die Reichswehr auf 115.000 Mann zu begrenzten, wurden viele ehemalige Soldaten vom Dienst an der Waffe ausgeschlossen. Im Stahlhelmbund konnten sie an ihre gesellschaftliche Stellung in der Kaiserzeit anknüpfen und fanden Gleichgesinnte, welche die Sozialdemokraten und Juden für den verlorenen Krieg verantwortlich machten. Mit dieser Verschwörungserzählung konnten die Frontsoldaten von ihrer eigenen Verantwortung ablenkten und den Mythos pflegen, die kaiserliche Armee hätte zwar den Krieg verloren, sei aber „im Felde unbesiegt“ gewesen. Folgerichtig waren nur wenige Sozialdemokraten und Juden Mitglied im Stahlhelmbund, ab 1924 ergänzte der Stahlhelmbund seine Satzung um einen „Arierparagraphen“ und zwang jüdische Frontsoldaten zum Austritt.

Ideologisch bot der Stahlhelmbund viele Anknüpfungspunkte mit den Nationalsozialisten, diese sahen sich jedoch auch in Konkurrenz zueinander. Der Gründer und Bundesführer des Stahlhelms Franz Seldte besiegelte das Schicksal der Organisation, als er 1933 Reichsarbeitsminister wurde, in die NSDAP eintrat und für Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmte. Die Auflösung des Bundes und die personelle Fusion mit den Nationalsozialisten finalisierte sich, als die fast eine Million Stahlhelmmitglieder 1935 in die paramilitärische Organisation der NSDAP, die SA, überführt wurden. Diejenigen, die sich gegen diesen „freiwilligen“ Übertritt wehrten, mussten einen Eid auf Hitler ablegen und wurden statt in der SA im „Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpferbund“ zusammengefasst, der jedoch bereit Ende 1935 wieder aufgelöst wurde.

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Objekt des Monats 12/2021

Objekt des Monats 12/2021

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum.
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Panzerplastiken von Gisbert Lange

Inv. Nr.: DPM 7.227-7.239

Was macht einen Panzer aus? Wie weit kann man seine Form reduzieren, sodass er dennoch erkannt wird? In seinen Plastiken geht der Künstler Gisbert Lange diesen Fragen nach. Er verwendete dabei für Panzer ungewöhnliche Materialien, nicht nur Stahl und Gummi, sondern auch Holz, Blech, Stein und andere gefundene Objekte. Diese Naturprodukte und im Wald gefundenen Überreste kombinierte er zu Formen, die – obwohl nur grob bearbeitet – als hochtechnisierte, seriell produzierte Industrieprodukte erkannt werden. Diese Transferleistung der Betrachtenden zeigt, wie tief die markante Form dieser Kriegswaffen in uns verankert ist: Bei einer Kombination aus rechteckigem Körper und länglichem Rohr ist schon die Assoziation zum Panzer da.

Gisbert Lange ist ein zeitgenössischer Künstler, der in Bielefeld freie Grafik und Malerei studierte und in Westberlin und Hamburg arbeitete. Lange gehört zur ersten Generation der Nachkriegsgeborenen, sein Leben und vor allem seine Kindheit waren noch stark vom Krieg geprägt. Er wuchs mit den Überresten des Zweiten Weltkriegs auf – traumatisierte Familienmitglieder, Kriegsschrott in der Landschaft, Kriegsspielzeug im Kinderzimmer – und spielte nach, was seine Väter und Großvätergeneration noch selbst erlebt haben könnte. Als junger Erwachsener prägten ihn die friedenspolitischen Debatten der 1968er, 1971 gründete er die Projektgruppe „KuPo“ (Kunst und Politik) mit. Lange greift in seinen Werken häufig das Thema Krieg und Soldatentum auf, kritisierte in Gemeinschaftswerken von KuPo zum Beispiel den Militärputsch in Chile 1973, versuchte sich in Einzelwerken aber auch den deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs als Individuen zu nähern.

Den 13 auf Spielzeuggröße verkleinerten Panzerplastiken stellte er in Ausstellungen abstrahierte, übergroße Portraitmalereien nach Wehrpassfotos unbekannter Soldaten gegenüber. Die insgesamt 13 unterschiedlich gearbeiteten Panzerplastiken erinnern zum Teil an Modelle wie FT-17, Tiger oder T-34, sollen in ihrer Vielfalt jedoch nicht auf konkrete Fahrzeuge, sondern den Panzer als Symbol des Krieges und seiner Faszinationskraft als Kinderspielzeug verweisen. Langes Werk ist somit ein prägnantes Beispiel für den Versuch einer Vergangenheitsbewältigung der Nachkriegsgeneration, die zwar mit den Überresten des Weltkrieges aufwuchsen, jedoch lange Zeit mit ihrer Interpretation davon allein gelassen wurden. Erst als diese Generation in den 1960er und 1970er Jahren das Gespräch mit ihrer Elterngeneration einforderte, konnten Familientraumata, individuelle Verantwortung und Schuldfragen diskutiert werden. Langes Werk steht somit eindrücklich für das Spannungsfeld zwischen der Faszination für Militärtechnik und Gewaltausübung im Spiel sowie dem Bedürfnis, sich mithilfe der Kunst mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.

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Objekt des Monats 11/2021

Objekt des Monats 11/2021

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Britische Splitterschutzmaske für Panzerbesatzungen

Inv. Nr.: DPM 1.1

Die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges bargen für die Soldaten Gefahren, für die diese nicht ausgerüstet waren. Mit selbstgebauten Rüstungen und schließlich der Einführung des Stahlhelms sollten ihre Körper besser geschützt werden. Dennoch waren sie auf dem offenen Schlachtfeld und beim Verlassen der Schützengräben nahezu ungeschützt. Eine höhere Überlebenschance schienen die neu entwickelten Panzerfahrzeuge zu bieten: Von Stahl umschlossen, durchquerten die Soldaten das Schlachtfeld in einem fahrenden Schutzraum.

Doch innerhalb dieser Stahlkolosse waren die Körper der Panzersoldaten nicht unverwundbar: Auch Tankabwehrwaffen und –taktiken entstanden und entwickelten sich schnell weiter. Nicht nur größere Artilleriegeschosse, neu entwickelte panzerbrechende Hartkernmunition und gezielte Treffer gegen Luken und Sehschlitze bedrohten die Fahrzeuge. Auch Treffer, welche die Panzerung nicht durchbrachen, konnten Nieten und Schraubverbindungen sprengen und/oder ins Innere durchschießen lassen sowie im Inneren kleine Metallsplitter abplatzen lassen. Der Bleikern von Gewehrmunition schmolz beim Aufprall auf die Panzerung, wodurch heiße „Spritzer“ (auch Bleinebel genannt) in den Innenraum dringen konnten. All diese eigentlich kleinen Partikel konnten durch ihre Geschwindigkeit, Härte und Hitze verheerende Verletzungen an Gesicht und Augen verursachen. Mit Aufstellung der Besatzungen der ersten deutschen Sturmpanzerwagen existierte keine Sonderbekleidung: Sie trugen den normalen Feldanzug und Feldmützen, später erhielten zumindest einige einen Leinenoverall mit eingewirkten feuerhemmenden Asbestfasern. Der Stahlhelm oder gepolsterte Helme der Flieger und Kradfahrer schützten zwar den Kopf vor Stößen und Splittern, aber nicht Gesicht und Augen.

Diese Verletzungen glichen sich in allen Nationen, die Panzer einsetzten. Britische Panzerbesatzungen erhielten Ende 1916 ein neues Ausrüstungsstück: eine Splitterschutzmaske. Die Maske für Tankbesatzungen besteht aus einer dünnen Stahlplatte, welche die Hälfte des Gesichtes bis zur Nase bedeckt und an die Gesichtsform angepasst werden konnte. Für den maximalen Schutz weist sie nur dünne Schlitze im Augenbereich auf. Die Außenseite ist mit Leder bespannt, die Innenseite mit Wollfilz gepolstert, um Stöße abzufedern und den Sitz bequemer zu gestalten. Am unteren Teil der Maske ist ein Kettengeflecht angebracht, welches an ein mittelalterliches Kettenhemd erinnert und den unteren Teil des Gesichtes schützen sollte. Befestigt wurde die Maske mit einem Kopfriemen, welcher geknotet wurde und bei dieser Maske fehlt. Er wurde nachträglich durch einen verstellbaren Riemen ersetzt. Auch deutsche Panzersoldaten kamen bei der Erbeutung britischer Tanks oder von britischen Kriegsgefangenen an diese Masken. Es gibt Hinweise, dass solche Masken später auch in Deutschland hergestellt wurden. Auch wenn einige Fotos existieren, auf welchen deutsche Panzersoldaten mit diesen Masken vor A7V-Panzern und den britischen Beutetanks Mark IV posieren, ist nicht gesichert, ob sie im Einsatz tatsächlich getragen wurden. Sowohl in den deutschen A7V als auch in den britischen Beutepanzern herrschte eine große Hitze und Lärm, es war sehr beengt und die Sicht durch Dunkelheit, Motor- und Pulvergase eingeschränkt – das Tragen dieser schweren Maske dürfte unter Einsatzbedingungen eine zusätzliche Belastung dargestellt haben. Zudem konnten Gasmasken nicht über die Splitterschutzmasken gezogen werden, weshalb sich die Soldaten nach Abwägung gegebenenfalls gegen das Tragen der Splitterschutzmaske entschieden haben, um bei einem Gasangriff rechtzeitig die Gasmaske aufsetzen zu können. Vor allem britische Soldaten behielten die Masken jedoch nach dem Krieg als Symbol ihrer besonderen Verwendung als erste Panzersoldaten.

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Objekt des Monats 10/2021

Objekt des Monats 10/2021

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Armeerundschau 5/90 „Panzer passé?“

Inv. Nr.: Ü 497

Bereits kurz nach dem Gründungsjahr der NVA 1956 brachte der Militärverlag der DDR Zeitschriften und Zeitungen für unterschiedliche Adressat:innen heraus, zum Beispiel die Wochenzeitung „Volksarmee“, die Zeitschrift „Militärwesen“ für Offiziere oder die Zeitschrift „Militärgeschichte“. Die Illustrierte „Armeerundschau“ mit dem Untertitel „Zeitschrift für Militärwesen, Politik und Kultur in der Nationalen Volksarmee“ und später „Magazin des Soldaten“ richtete sich auch an die Zivilbevölkerung. Nur etwa fünf Prozent der verkauften Hefte gingen an die NVA und Grenztruppen.

Laut der Publikationsordnung des Militärverlags sollten die Medien „die Erziehung der verschiedenen Leserkreise in der Nationalen Volksarmee und in der Öffentlichkeit“ gewährleisten. Um dies zu erreichen, sollte die Armeerundschau besonders attraktiv und unterhaltsam gestaltet sein, damit das positive Bild der NVA und ihren Verbündeten auch bei der Bevölkerung ankam. Trotz der vielen militärischen Inhalte wie Einblicke in den Alltag in der NVA, Portraits ausländischer Streitkräfte, Waffen-Typenblätter und Artikel zu moderner Technik war die Sprache der Armeerundschau locker und umfasste auch Kulturthemen und Unterhaltung wie Gedichte, Rätsel sowie Abbildungen von Stars und Nacktmodellen.

Die Armeerundschau erschien zunächst im DIN-A4-Format; als sich das Format 1962 auf A5 verkleinerte und auf Vier-Farben-Druck umgestellt wurde, ging die Auflage in die Höhe: Mit 11.000 gestartet, verzehnfachten sich die verkauften Exemplare und 1979 erreichte die Auflage sogar 340.000.

Die Redaktion legte hohen Wert auf den Kontakt zu den Lesenden: Sie veröffentlichten und beantworteten in mehreren Rubriken Leserbriefe und Kommentare. Die Redaktion erhielt nach eigenen Angaben jährlich um die fünfzigtausend Zuschriften. Diese wurden auch dazu genutzt, herauszufinden, ob die Heftinhalte in der gewünschten Weise bei den Lesenden ankamen. Leserbriefe mit vermeintlich sicherheitsrelevantem Inhalt schickten Redaktionen der NVA-Presse an die Abteilung für Sicherheitsfragen beim ZK der SED weiter.

Das Jugendforschungsinstitut in Leipzig kam zu dem Ergebnis, dass fast alle Jugendlichen die Armeerundschau kannten und jeder dritte diese ständig oder gelegentlich las. Hauptsächlich erreichte die Zeitschrift 16- bis 18-jährige, ein Drittel von ihnen weiblich. Die Armeerundschau konnte somit einen großen Einfluss auf das NVA-Bild Jugendlicher in  der DDR nehmen. Dies war auch der Verwaltung Spezialpropaganda der Politischen Hauptverwaltung der NVA bewusst, weshalb sie die Inhalte genau überprüfte – je nach politischer Lage mehr oder weniger streng. Die Redaktionen mussten zum Beispiel ihre Jahrespläne genehmigen lassen und es gab sowohl eine Vor- als auch Nachzensur der Artikel. Die hohe Verbreitung der Hefte ist jedoch kein Gradmesser für tatsächliche Wirkung auf die Jugendlichen oder ihrer Zustimmung zu den Inhalten.

Mit dem politischen Umbruch im Jahr 1989 erhielt die Zeitschrift eine nie dagewesene inhaltliche Freiheit und gab sich den Untertitel „Das internationale Militärmagazin“. In dieser Umbruchszeit stellten sich viele die Frage, wie eine deutsche Armee künftig aussehen könnte. Welchen Platz Panzer in diesen Zukunftsvorstellungen haben könnten, diskutierte der Militärhistoriker und damalige Chefredakteur der DDR-Zeitschrift „Militärwesen“ in einer der letzten Ausgaben der Armeerundschau vom Mai 1990. Den Artikel „Panzer passé?“ öffnet die Collage eines T-72 mit einem Knoten im Rohr, der durch eine rosafarbene Blumenwiese fährt. Als Offensivwaffe des Angriffskrieges könnte der Panzer, so der Autor, zur reinen Landesverteidigung jedoch ausgedient haben. Die hohen Kosten und die schlechte Umweltbilanz ließen die Panzer zudem wenig zukunftsfähig erscheinen: Doch wie bei den Wiener Verhandlungen über die Reduzierung konventioneller Streitkräfte, die im März 1989 begannen, bereits abzusehen, stand nur eine Reduzierung, jedoch keine Abschaffung von Panzertruppen zur Debatte. Passé seien laut des Autors Panzer jedoch „nur vorläufig noch nicht.“ Die Armeerundschau war hingegen bereits zwei Monate später passé: Wie die meisten Periodika der NVA wurde die sie im Sommer 1990 eingestellt.

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Objekt des Monats 09/2021

Objekt des Monats 09/2021

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ABC-Schutzmaske der Bundeswehr

Inv. Nr.: Ü 444

Die Aufstellung der Bundeswehr im Jahr 1955 erfolgte in einer Zeit der unmittelbaren Bedrohung durch einen Nuklearkrieg. Im Rahmen der Blockkonfrontation zwischen den Westmächten der NATO und den Warschauer Vertragsstaaten im Osten bildete das geteilte Deutschland die Front. Die Atombombenabwürfe durch die USA auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki waren keine 10 Jahre her. In den frühen 1950er Jahren konnten Atomsprengköpfe bereits so klein gebaut werden, dass sie auf Kurzstreckenraketen und als Artilleriemunition verwendet werden konnten. Die Sowjetunion besaß bereits Mitte der 1950er Systeme, die auf ein Fahrgestell eines IS-3 montiert waren, spätere Systeme der USA beinhalteten sogar Kurzstreckengeschosse vor, die von einem Jeep abgefeuert werden konnten. Damit einher ging auch eine veränderte Einsatzdoktrin: Nuklearwaffen waren nicht mehr nur ganze Städte sprengende Waffen, sondern sollten taktisch auf dem Schlachtfeld eingesetzt und Teil des konventionellen Krieges werden.

Für die Soldaten bedeutete dies engeren Kontakt mit diesen Waffen und ihren Folgen auf dem Schlachtfeld. Nicht nur waren die Artilleriesoldaten, welche die Sprengköpfe abfeuerten, immer näher an ihrem verseuchten Ziel. In Manövern des Warschauer Pakts dienten taktische Nuklearwaffen zur Unterstützung eines eigenen Angriffs. Nach zwei Wellen von Nuklearschlägen auf die norddeutsche Tiefebene sollten eigene Panzer- und motorisierte Schützeneinheiten in das verseuchte Gebiet vorstoßen. Auch die NATO plante einen Zwei-Phasen-Krieg auf deutschem Gebiet, in welchem die europäischen Streitkräfte die Gegner so lange aufhalten sollten, bis US-Nuklearwaffen bereit waren und nach deren Einsatz wieder mit Heeresverbänden vorstoßen sollten.

Zusätzlich zu dieser atomaren Bedrohung fanden biologische und chemische Waffen bereits länger Verwendung; schon im Ersten Weltkrieg erhielten Soldaten Schutzmasken gegen Gaskampfstoffe. Die Erstausstattung der Bundeswehr erhielt somit eine persönliche A(tomar)B(iologisch)C(hemisch)-Schutzausstattung, welche auch eine Maske beinhaltete. Diese hieß nun nicht mehr Gasmaske, sondern ABC-Schutzmaske, da sie nicht nur gegen C-Stoffe wie Gas, sondern auch gegen Schwebeteilchen aus den Kategorien A und B schützen sollte. Die ABC-Schutzmaske 54A basiert auf der Gasmaske 38 der Wehrmacht, das zweite Modell 54B mit separatem Ausatemventil wurde nur selten ausgegeben. Die Maske besteht aus gummiertem Gewebe. Damit sie dicht sitzt, ist der Rand ist mit Velourleder bezogen und die Kopfbänder verstellbar. Zur Aufbewahrung diente eine Metallbüchse, in welcher auch Ersatzfilter und Ersatzgläser für die Augenscheiben aufbewahrt werden konnten. Diese Scheiben waren speziell beschichtet, um ein Beschlagen zu verhindern und bestanden bei diesem frühen Modell aus mit Gelatine beschichtetem Zelluloid. In die Maske können verschiedene Filter eingeschraubt werden. Der Standardfilter FR 55 besteht aus einer Faser, welche verseuchte Schwebeteile filtert und Aktivkohle, welche Gase und Dämpfe bindet. Für Dienst in Panzern und anderen geschlossenen Räumen wie Schiffen kam der Filter FE 55 zum Einsatz, der zusätzlich Kohlenmonoxid binden kann.

Bei einem ABC-Angriff sollten die Soldaten die Maske und restliche Schutzausrüstung innerhalb von 30 Sekunden anziehen, mit möglichst wenig Kontakt zum möglicherweise bereits verseuchten Boden. Die von der Bundeswehr verwendeten Panzer besaßen zu dieser Zeit noch keinen oder nur rudimentären ABC-Schutz. Bei einem atomaren Angriff hätten die Soldaten mit einem ABC-Schutzanzug durch verseuchtes Gebiet und ausradierte Städte marschieren sollen, über zerstörte Straßen und Brücken, durch brennende Wälder und einer enormen Zahl ziviler Opfer. Ob die Soldaten ein derart apokalyptisches Umfeld überhaupt mit dieser Schutzausrüstung hätten überleben können, musste glücklicherweise niemals in der Praxis bewiesen werden.

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Objekt des Monats 08/2021

Objekt des Monats 08/2021

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Zeitschrift „Signal“ 1941

Inv. Nr.: Ü 371

Propaganda in Kriegszeiten richtete sich nicht nur an die eigene Bevölkerung: Bereits im Ersten Weltkrieg gab das Deutsche Reich Zeitschriften in mehreren Sprachen heraus, welche die öffentliche Meinung im Ausland beeinflussen sollten. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese Bemühungen intensiviert: Nicht nur das neu geschaffene „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ und die „Reichspropagandaleitung“ der NSDAP waren hierfür zuständig, sondern für das Ausland vor allem das Auswärtige Amt und auch die Wehrmacht.

Die Auslandsillustrierte „Signal“ war ein reich bebildertes und viel rezipiertes Produkt der NS-Propaganda. Der Deutsche Verlag gab sie von April 1940 bis März 1945 als Sonderausgabe der „Berliner Illustrirten Zeitung“ in Zusammenarbeit mit der Amtsgruppe für Wehrmacht-Propaganda im Oberkommando der Wehrmacht und zu Beginn auch des Auswärtigen Amtes heraus. Für die Zeitschrift arbeiteten renommierte NS-Journalisten und Fotografen; der Druck und das Layout waren auf der Höhe der Zeit und orientierte sich an der US-amerikanischen Illustrierten „Life“.

Die „Signal“ war keine kostenlose Truppenzeitschrift, ihre Hauptzielgruppe waren also nicht deutsche Soldaten. Diese mussten die Illustrierte, sofern verfügbar, an Kiosken der besetzten Länder regulär kaufen. Nur wenige Ausgaben wurden kostenlos in deutsche Botschaften, Gesandtschaften und Lazaretten im Ausland verteilt. Hauptabsatzorte dieser „Sympathieoffensive der deutschen Wehrmacht“ waren das neutrale Ausland, sowie befreundete und besetzte Länder und Gebiete.

Sie erschien in der Regel zwei Mal monatlich und umfasste vierzig Seiten, mit acht Farbseiten. Auf dem Höhepunkt ihrer Verbreitung Ende 1942 lag die Gesamtauflage bei 2,4 Millionen Exemplaren. Diese hohe Zahl lag vornehmlich an den immer neu dazugekommenen Sprachausgaben, die jedoch häufig hastig herausgebracht und schlecht übersetzt waren. In der ersten Ausgabe erschien die Illustrierte noch in deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache, im Kriegsverlauf kamen immer weitere dazu. Bis 1945 entstanden insgesamt 25 Sprachausgaben, die zum Teil nur über eine kurze Zeit und in geringer Auflage produziert wurden. Hinzu kam der konkurrenzlos geringe Preis, den wirtschaftlich arbeitende Zeitschriften nicht erreichen konnten. Trotz hoher Verkaufszahlen und Werbeanzeigen war die Zeitschrift für den Deutschen Verlag aufgrund der hohen Produktionskosten ein Verlustgeschäft, weshalb die Wehrmacht sie subventionierte.

Der Inhalt der Hefte umfasste je nach Kriegslage von einem Viertel bis zur Hälfte militärische Themen, Propaganda zu wirtschaftlichen und sozialen Erfolgen des NS-Staates, aber auch leichte Unterhaltung wie populärwissenschaftliche Artikel, Kulturberichte und natürlich Fotos schöner Landschaften und Frauen. Das katholische Italien verbot zeitweise die Herausgabe der Zeitschrift aufgrund zu freizügiger Fotos; Versuche Rumäniens die Zeitschrift aufgrund von Propagandainhalten zu verbieten, schlugen fehl. Die Zeitschrift richtete sich an eine internationale Leserschaft, doch die Redakteure sparten nicht mit stereotypen Themen der NS-Propaganda wie rassistischen Fotoreihen und Bildunterschriften zu „Untermenschen“ und antisemitischen Texten zu „jüdischen Weltherrschaftsplänen“. Bis Herbst 1942 waren die Inhalte aller Sprachausgaben gleich, erst danach schaffte die Redaktion „Auswechselseiten“, die russischsprachige „Signal“, die sich vornehmlich an so genannte „Ostarbeiter“ und „Hilfswillige“ sowie sowjetische Kollaborateure richtete, erhielt stark abweichende Inhalte.

Auf dem Titelblatt des Heftes von November 1941 jubeln zwei Soldaten hinter einer Panzerabwehrkanone: „Sieg! Die Mannschaft einer deutschen Pak hat wieder einen Sowjet-Panzer vernichtet. (…) Sie haben beigetragen zu der Entscheidung im Osten Europas“. Von einer Entscheidung im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion war die Wehrmacht im Winter 1941 jedoch noch weit entfernt, der erhoffte schnelle Sieg war ausgeblieben. Im Inneren des Heftes sieht man lediglich Erfolge, welche die Hoffnung auf die Einnahme von Moskau trotz der völligen personellen und materiellen Erschöpfung des deutschen Ostheeres und des Wintereinbruchs schüren sollten: Fotoserien über Trümmerhaufen sowjetischer Fahrzeuge nach der Schlacht bei Kiew, von gefangenen sowjetischen Soldaten mit erhobenen Händen und ein Bericht über ihre angeblich humane Behandlung in deutschen Kriegsgefangenenlagern: „Zwar ist ihnen sogleich nach ihrer Gefangennahme mitgeteilt worden, daß niemand erschossen würde, aber die Einflüsterungen der Politischen Kommissare (…) sitzen noch zu frisch und zu tief in ihren Hirnen, als daß sie an die Selbstverständlichkeit einer humanen Gefangenenbehandlung durch die Deutschen glauben können.“ Dazu hatten sie auch keinen Grund: Die deutsche „Anordnung für die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener“ schloss ihre Behandlung gemäß des Genfer Abkommens aus. Die sowjetischen Kriegsgefangenen im Gewahrsam der Wehrmacht starben millionenfach; die erwähnten Politischen Kommissare gelangten häufig gar nicht erst in die Lager, da sie mit Umsetzung des Kommissarbefehls direkt nach Gefangennahme erschossen wurden. Ablenkung von militärischen Themen bot die Signal mit populärwissenschaftlichen Texten, Fotoreihen schöner Frauen verbündeter Länder und die Geschichte eines Hundewelpens, den eine Panzerbesatzung „während eines Angriffes aus einem brennenden Hause rettete“. Wer das Haus ursprünglich anzündete, wird nicht berichtet.

Nach dem Krieg konnten viele der ehemaligen „Signal“-Redakteure ihre Tätigkeit in der von 1948 bis 1992 herausgegeben Illustrierten Zeitschrift „Quick“ fortsetzen.

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