Objekt des Monats 02/2024

Objekt des Monats 02/2024

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum. Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten.

CD „Die Ärzte – Friedenspanzer“, 1994

Inv. Nr.: DPM 7.479.1-2

„Friedenspanzer“ war die dritte Single-Auskopplung des Comeback-Albums „Die Bestie in Menschengestalt“ der Berliner Punkband Die Ärzte. Das Album gewann drei Goldene Schallplatten für über 750.000 Verkäufe. Die Ärzte hatten sich ursprünglich im Jahr 1982 als Gegenentwurf zu deutschen Punkbands gegründet, deren Texte ihnen zu ernst und politisch waren und die sich meist gegen den Staat und die Polizei richteten. Das Markenzeichen von Die Ärzte waren von Anfang an ihre humorvollen bis absurden Texte ohne offensichtliche politische Botschaft, von denen jedoch einige auf dem Index landeten. Trotz ihres kommerziellen Erfolges löste sich die Band im Jahr 1988 auf.

In den Jahren danach wurden die Musiker von den rassistisch motivierten Gewaltexzessen nach dem ersten Freudentaumel des Mauerfalles geprägt, in welchen Wohnheime für Vertragsarbeiter:innen und Geflüchtete angezündet und deren Bewohner:innen angegriffen und bedroht worden waren. Im Jahr 1993 ermordeten Rechtsradikale fünf Menschen durch einen Brandanschlag in Solingen. Der Sänger und Gitarrist Farin Urlaub wollte Die Ärzte neu gründen, doch ihm war klar, dass die alte Richtung nach 1993 nicht mehr funktionierte. Für die Neugründung konnte er Gründungsmitglied, Sänger und Schlagzeuger Bela B. zurückgewinnen. Als Bassist kam Rodrigo Gonzáles dazu, der bereits zuvor mit Bela B. in der Band „Depp Jones“ gespielt hatte. Das Comeback-Album „Die Bestie in Menschengestalt“ war die bis dahin politischste Platte der Band. Für die erste Singleauskopplung wählten sie den Song „Schrei nach Liebe“, in dem die Musiker deutlich Stellung zu den Neonazis bezogen, die der Band ihre neue Richtung gegeben hatten.

Die Musik zu „Friedenspanzer“ schrieb der neue Bassist Rodrigo Gonzáles bereits in den 1980er Jahren. Gonzáles war Anfang der 1970er Jahre mit seiner Familie aus Chile nach Hamburg geflüchtet und spielte seit seiner Jugend in verschiedenen Bands. Er überarbeitete den Song zusammen mit Bela B. für das Album „Die Bestie in Menschengestalt“; den Text dazu schrieben sie innerhalb eines Tages. Der Friedenspanzer schießt „zur Rettung dieser Welt“ mit „Blumen statt Granaten“ „Liebe in dein Herz“ und „bringt den Frieden ohne Schmerz.“ Er bringt nicht nur Frieden, sondern rettet auch die Umwelt und beendet Hungersnöte. Vor dem Hintergrund der Jugoslawienkriege war das Thema des Liedes aktuell und relevant – der Traum von einem Frieden in Europa nach Auflösung der Blockkonfrontation hatte sich nicht erfüllt.

Die Single „Friedenspanzer“ erschien mit weiteren Songs wie „Die Wiking Jugend hat mein Mädchen entführt“ im Jahr 1994 und erreichte Platz 32 der deutschen Single-Charts. Auf dem Cover ist ein US-amerikanischer M47 mit Tiger-Bemalung zu sehen. Diese Bemalung setzte die US-Army im Koreakrieg (1950-1953) ein, um die gegnerischen Kämpfer einzuschüchtern, jedoch eher auf Panzer des Typs M46 und Sherman. Die Produktion der M47 begann erst im Verlauf des Koreakrieges und sie waren nie für die US-Streitkräfte im Einsatz. Das für das Cover verwendete Bild eines bemalten M47 stammt von der Verpackung eines 1:32 Panzermodells der Firma Matchbox von etwa 1992. Das gezeichnete Fahrzeug dort hat eine Kanonenblende, die beim M47 nie verbaut wurde. Sie scheint von der Blende inspiriert zu sein, die die Bundeswehr beim M48 A2GA2 verbaut hat. Die Wahl des Panzers scheint keinen nachvollziehbaren Bezug zum Liedtext zu haben. Über dem Panzer sind Farin Urlaub und Rodrigo Gonzáles montiert und das Gesicht des Sängers Bela B. erscheint übergroß vor einem psychedelischen Hintergrund.

Während sich Die Ärzte zur Zeit ihrer Gründung noch von allzu ernsten politischen Inhalten fernhielten und die aus ihrer Sicht altklugen Texte einiger Deutschrocker belächelten, sind sie mittlerweile selbst zu einer politischen Band geworden. Sie kombinieren ernste Themen jedoch mit dem klassischen Humor von Die Ärzte. Bis heute besteht die Band in der damaligen Besetzung und positioniert sich auch privat politisch.

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Objekt des Monats 01/2024

Objekt des Monats 01/2024

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum. Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten.

Schallplatte für Vorschulkinder in der DDR, etwa 1974-1980

Inv. Nr.: DPM 7.270.1-2

„Mein Bruder ist Soldat im großen Panzerwagen und stolz darf ich es sagen: Mein Bruder schützt den Staat, mein Bruder schützt den Staat. / Der Panzer ist so schwer, wie dick sind seine Wände, und fährt doch im Gelände geschwinde kreuz und quer, geschwinde kreuz und quer. / Und greift uns jemand an, so hat er nichts zu lachen, die Volkssoldaten wachen und stehen ihren Mann, und stehen ihren Mann.“

Dieses Lied findet sich auf einer Schallplatte für Vorschulkinder der DDR, die Ende der 1970er Jahre herausgegeben wurde. Die Inhalte wurden von der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR entwickelt und von dem Ministerium für Volksbildung als Unterrichtsmaterial im Label Schola zugelassen. Das Bildungssystem der DDR sah bereits ab der Vorschule militärische Inhalte für die pädagogische Erziehung vor. Im Kindergarten sollte ein positives Bild zu den Soldaten der NVA und der Sowjetarmee vermittelt werden, was unter anderem durch Spiele und militärisches Spielzeug sowie den Besuch von Soldaten erreicht werden sollte. Bereits mit den größeren Kindern in der Krippe sollte der Tag der NVA gefeiert werden. Neben der Ausstattung der Einrichtungen mit militärischem Spielzeug und Büchern, wurden im Kunstunterricht auch Soldaten gemalt und militärische Geländespiele sowie Lieder geübt.

Dabei sollte jedoch nicht nur Musik angehört, sondern auch Höraufgaben gelöst werden, wie das Erkennen der Instrumente. Diese sollten laut Klappentext der Schallplatte die Kinder „tiefer in den Inhalt des betreffenden Spielstücks eindringen lassen“. Die Inhalte der Lieder seien dafür „der Umwelt der Kinder entnommen“, die in der DDR eben auch eine militärisch geprägte war. Das Lied „Mein Bruder ist Soldat“ stammt von dem Autor zahlreicher Kinderlieder und Kinderbücher Manfred Hinrich und wurde von dem einflussreichen Komponisten Kurt Schwaen überarbeitet. Das fröhliche Lied in der Ich-Perspektive verbindet positive Gefühle wie Geschwisterliebe und Stolz mit der NVA, Panzern und der militärischen Verteidigung des Staates gegen unbenannte Aggressoren. Das von einer zarten Mädchenstimme des Berliner Kinderchors gesungene und von einer zurückhaltenden gestopften Trompete sowie Akkordeon und Klavier begleitete Stück verklärt und verharmlost damit den Dienst als Panzersoldat.

Diese frühkindliche Bildungspolitik erreichte den Großteil der Kinder der DDR. Im Jahr 1986 erhielten fast 80% der Kinder von ein bis drei Jahren eine Betreuung in der Krippe. Dies ermöglichte der SED-Führung einen möglichst frühen Zugriff auf die sozialistische Erziehung der Kinder, jedoch auch auf die Mütter als dringend benötigte Arbeitskräfte: Frauen nahmen das Angebot der kostenlosen Kinderbetreuung gern an und erhielten durch die Möglichkeit zur Berufstätigkeit auch eine stärkere finanzielle Unabhängigkeit. Im Jahr 1965 verabschiedete die SED das Gesetz für ein einheitliches sozialistisches Bildungswesen. Die Lehrpläne und Tagesabläufe wurden den fast ausschließlich weiblichen Erzieherinnen vorgegeben. Staatliche Einrichtungen setzten den Erziehungsplan in der Regel genauer um, während als einzige die kirchlichen Träger von Kindergärten eine gewisse inhaltliche Autonomie besaßen. Wie stark die von der Staatsführung gewünschten militärischen Inhalte umgesetzt wurden, war jedoch unterschiedlich und auch von den individuellen Erzieherinnen abhängig. So beinhaltet diese Schallplatte für Vorschulkinder bei 26 Liedern nur zwei mit militärischem Titel, andere Schallplatten der Serie haben gar keine Titel mit militärischem Bezug.

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Objekt des Monats 12/2023

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Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum. Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten.

Winterhilfswerk Sammelfigur Sd. Kfz. 251, 1941

Inv. Nr.: DPM 7.171.1

Als die Nationalsozialisten im Jahr 1933 die Macht übernahmen, gab es in Deutschland viele Bedürftige. Das Propagandaministerium gründete im September 1933 das „Winterhilfswerk des Deutschen Volkes“ (WHW) und übertrug die Durchführung der Sammelaktionen dem der NSDAP angeschlossenen Verband „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“ (NSV). Die bereits bestehenden Wohlfahrts- und Sozialverbände hatten schon in den Jahren 1931 und 1932 gemeinsame Spendenaktionen zur Winterhilfe mit dem Namen „Winterhilfswerk“ organisiert. Von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt konnten nur als „erbgesund“ definierte Menschen Hilfe empfangen. Das Winterhilfswerk war weniger stark rassenideologisch geprägt. Doch auch das WHW verweigerte als „asozial“ und „arbeitsscheu“ definierten Menschen sowie ab den „Nürnberger Gesetzen“ im Jahr 1935 Jüdinnen und Juden seine Hilfe, die ab dem Jahr 1936 auch nicht mehr spenden durften.

Das Winterhilfswerk finanzierte seine Hilfsprojekte mit Spenden. Diese wurden auf vielfältige Weise gesammelt. Neben Geldspenden aus Straßensammlungen wurden auch Unternehmen zu Spenden aufgerufen. Zudem gab es eine „Lohn- und Gehaltsspende“ von bis zu 10% des Gehalts, welche Berufstätige mehr oder weniger freiwillig abgeben konnten. Hinzu kamen Spendenaktionen wie der „Eintopfsonntag“. Ein Schwerpunkt lag außerdem auf Sachspenden wie Bekleidung, Lebensmittel und Brennmaterial.

Für das Eintreiben der Spenden aktivierte die NSV etwa 1-1,5 Millionen Menschen pro Sammelaktion. Mitglieder der Wohlfahrtsverbände und zahlreicher NS-Organisationen, Schulklassen, Vereine, aber auch der SA und SS trieben die Spenden zum Teil mit penetranten Mitteln ein. Sie sprachen die Menschen nicht nur auf der Straße an, sondern machten auch anhand von Namenslisten Hausbesuche und forderten zu Spenden in der erwünschten Mindesthöhe auf. Die häufige Erinnerung der Propaganda und in den Anweisungen an die Spendensammler:innen, dass die Spende freiwillig sei, weist auch darauf hin, dass sie von vielen nicht so empfunden wurde. In der nationalsozialistischen Gesellschaft liefen Menschen, die sich nicht wie gewünscht verhielten, grundsätzlich Gefahr, Repressionen ausgesetzt zu werden. Mit Spendenbelegen wie Abzeichen konnten Spender:innen ihre Teilnahme zeigen; andersherum wurde auch sichtbar, wer nicht gespendet hatte.

Heute ist das Winterhilfswerk noch hauptsächlich für seine Abzeichen bekannt, die ab Oktober 1933 verkauft wurden. Häufig stellten für die jeweilige Region typische Handwerker:innen diese Abzeichen her, beispielsweise Holzschnitzereien aus dem Erzgebirge oder geklöppelte Spitze aus Chemnitz. Sie erschienen in unterschiedlich hohen Auflagen, jedoch in der Regel in Millionenhöhe und wurden für etwa 20 Reichspfennig pro Stück verkauft.

Es gab reichseinheitliche Abzeichen und Serien, zusätzlich gab jeder Gau eigene Reihen heraus. Zusätzlich wurden zu Veranstaltungen und anderen Anlässen Abzeichen herausgegeben, weshalb insgesamt etwa 8.000 verschiedene existieren dürften. Um den Kaufanreiz zu erhöhen, sollten die Abzeichen möglichst dekorativ gestaltet sein und zeigten beispielsweise Blumen und Tiere. Nur ein Bruchteil zeigte militärischen Themen, wie beispielsweise Porzellan- und Webabzeichen zu historischen deutschen Uniformen, Helmen oder Waffen. Dieses Abzeichen des Sonderkraftfahrzeug 251 wurde im März 1941 zum „Tag der Wehrmacht“ herausgegeben. Es war Teil einer Serie militärischer Motive, die 12 Abzeichen aus Kunststoff beinhaltete. Sie bestand unter anderem aus Geschützen mit Besatzungen, Schiffen, Flugzeugen und Reitern. Neben Wehrmachtsoldaten sammelten auch Mitglieder von Soldatenbünden und des Deutschen Roten Kreuzes bei den Straßensammlungen zum „Tag der Wehrmacht“ Spenden ein und gaben diese Abzeichen als Spendenbelege heraus.

Während des Zweiten Weltkrieges hieß das Winterhilfswerk „Kriegswinterhilfswerk“ und gab noch bis März 1943 neue Abzeichen heraus. Danach stellte es die Produktion ein. Neben dem Material- und Personalmangel aufgrund des Krieges dürften die Abzeichen auch nicht mehr ausreichend als Spendenanreiz der zunehmend hilfsbedürftigen Bevölkerung funktioniert haben.

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Objekt des Monats 11/2023

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Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum. Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten.

Schutztruppenhut aus Deutsch-Südwestafrika, 1896-1913

Inv. Nr.: DPM 1.976

Im Januar 1904 begannen die OvaHerero einen Befreiungskrieg gegen die deutschen Kolonisten in Deutsch-Südwestafrika. Die deutsche Kolonisierung zerstörte seit Jahren nachhaltig die Lebensgrundlage der Herero, die Viehzucht; 1904 kam erschwerend noch eine Rinderpest hinzu.

Die deutschen Kolonien waren unprofitabel und hatten hauptsächlich symbolischen Charakter. Das Kaiserreich unterhielt auch keine Kolonialarmee wie andere Staaten; die sogenannte Schutztruppe rekrutierte sich lediglich aus Freiwilligen der vier deutschen Armeen im Kaiserreich.

Die zahlenmäßig schwachen und schlecht ausgerüsteten Kolonialsoldaten der Schutztruppe konnten den Kämpfern der OvaHerero kaum etwas entgegensetzen. Sie forderten deshalb Verstärkung aus Deutschland an.

In zwei bis drei Wochen erhielten die zur Verstärkung angeforderten Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Munster ihre militärische Ausbildung für die Kolonie; unter anderem Reiten, Schießen und Taktik.

Zur Einkleidung erhielten sie den „Südwester“: einen Schlapphut, dessen Krempe auf einer Seite mit einer Kokarde in den Reichsfarben nach oben gehalten wird. Diese besitzt für Offiziere eine silberne Umrandung und ist abnehmbar. In der Schlacht um Ovikokorero im März 1904 hatte sich gezeigt, dass diese Rangabzeichen ein einfaches Ziel für die Schützen der OvaHerero waren und die deutsche Truppe schnell ihre ohnehin wenigen Offiziere verlor. Anhand der Farbe des Bandes kann die Zugehörigkeit des Trägers zu einer der deutschen Kolonien erkannt werden. Bei diesem Hut eines Mannschafters ist das kornblumenblaue Ripsband für Deutsch-Südwestafrika verblichen, die originale Farbe kann hinter dem Krempenaufschlag erahnt werden. Die Kokarde ist die Offizierversion, die sich unabhängig vom Dienstgrad häufig auf den noch erhaltenen Schutztruppenhüten findet.

Die Soldaten wurden zusammen mit ihren Pferden aus Munster am 20. Mai 1904 über Hamburg zum Hafen von Swakopmund verschifft. Als diese etwa drei Wochen später eintrafen, zogen sich die OvaHerero bereits zusammen mit ihren Familien und dem verbliebenen Vieh zum Waterberg zurück. Aufgrund der erfolgreichen Schlachten erwarteten sie ein Verhandlungsangebot der Deutschen. Diese griffen jedoch erneut an und begannen nach der Kesselschlacht am Waterberg im August 1904 einen Vernichtungskrieg gegen die OvaHerero. Die deutschen Truppen hinderten die in die Wüste Omaheke geflohenen Kämpfer und ihre Familien daran, Wasserstellen zu erreichen und vergifteten diese. Im Oktober 1904 proklamierte der Kommandeur der Schutztruppe, Lothar von Trotha, dass „jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen [wird]. Ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen.“ Für die deutschen Soldaten ergänzt er, dass diese über die Köpfe der Frauen und Kinder hinwegschießen sollen. Doch allein dieses Zurücktreiben in die Wüste sicherte ihren qualvollen Tod durch Verdursten. Daraufhin erhoben sich nun auch die zuvor mit den Deutschen verbündeten Nama gegen die Kolonialmacht.

Die Überlebenden OvaHerero und Nama wurden in bereits zu dieser Zeit so genannte Konzentrationslager gesperrt. Diese sind nur in Teilen mit den nationalsozialistischen Lagern vergleichbar. So waren die Lager in Deutsch-Südwestafrika beispielsweise nicht dafür errichtet worden, ihre Insass:innen systematisch zu töten, sondern waren als Umerziehungs- und Zwangsarbeitslager gedacht. Doch von den etwa 15.000 internierten OvaHerero und 2.000 Nama starben etwa die Hälfte. Der Krieg endete im Jahr 1908. Die genaue Zahl der Toten insgesamt ist aufgrund fehlender Bevölkerungsstatistiken unbekannt. Schätzungen gehen von einer Bevölkerungsgröße von etwa 60-80.000 OvaHerero aus, von denen etwa Zweidrittel bis Dreiviertel im Krieg starben. Etwa die Hälfte der 20.000 Nama starb durch den Krieg. Auf der anderen Seite starben etwa 2.000 der 14.000 entsendeten deutschen Soldaten infolge von Kampfhandlungen oder an Krankheiten.

Die Vereinten Nationen erkannten den Vernichtungskrieg in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, im Jahr 1948 als Kriegsverbrechen und Völkermord an – Deutschland tat dies erst im Jahr 2021.

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Objekt des Monats 10/2023

Objekt des Monats 10/2023

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Uniform eines britischen Corporal des 32 Armoured Engineer Regiment, ca. 1991

Inv. Nr.: DPM 1.130

Im Jahr 1945 besetzte die British Army Norddeutschland. Als Teil der britischen Besatzungszone wurden britische Soldaten einquartiert, die sich mit Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 schrittweise zurückzogen. Doch auch nach dem Erlöschen des Besatzungsstatutes im Jahr 1955 verblieben britische Soldaten in Westdeutschland. Sie waren als Teil der NATO und im bereits laufenden Kalten Krieg an der „Front“ zum Warschauer Pakt präsent. Da Niedersachsen im Falle eines „heißen“ Krieges das Schlachtfeld gewesen wäre, wurden Pläne für den Ernstfall regelmäßig in Manövern geübt.

Eine der langfristig in Westdeutschland stationierten Truppengattungen waren die „Royal Engineers“, britische Pioniereinheiten, die auch „Sapper“ genannt werden. Im Kalten Krieg sollten die „Sapper“ im Ernstfall ihre Befehle noch vor den gepanzerten Kampftruppen erhalten, um das Gelände für die Kämpfe vorbereiten zu können. Dies konnte beispielsweise das Legen von Minenfeldern und das Schaffen oder Zerstören von Infrastruktur bedeuten. Im Jahr 1964 stellte die British Army das 32 Armoured Engineer Regiment auf und stattete sie mit Pionierfahrzeugen auf Basis des Centurion aus, wie Brückenlegepanzer, Pionierpanzer (AVRE) und Armoured Ramp Carrier (ARC) mit Scherenbrücke.

Diese Uniform gehörte einem Mitglied des britischen 32 Armoured Engineer Regiment. Die britische Armee führte diesen khakifarbenen Uniformtyp im Jahr 1902 ein. Seitdem hat sich der „No. 2 Dress“ nur wenig verändert, im Jahr 1960 wurde die Kragenform und das Material angepasst, wobei unterschiedliche Materialtypen und Farbschattierungen bestehen blieben. Die „Sapper“ wurden häufig umstrukturiert und versetzt, im Jahr 1981 kam das Regiment nach Munster. Das Emblem der „Sapper“ ist eine brennende Granate, die seit dem Jahr 1922 das Motto „Ubique“ – Latein für „Überall“ – beinhaltet. Wie an den Bandspangen der Uniform zu erkennen, war der Corporal, dem die Uniform gehörte, nicht nur in Deutschland im Einsatz. Die Bandschnallen zur Allgemeinen Dienstmedaille für den Einsatz in Nordirland in den 1970ern und zur Einsatzmedaille im Golfkrieg im Jahr 1991 zeigen seine Teilnahme an diesen Einsätzen der British Army. Im Nordirlandkonflikt setzte die britische Armee die „Sapper“ für die Befestigung und den Bau von Polizeistationen und Gefängnissen ein, welche vor dem Beschuss mit improvisierten Granaten und Bomben geschützt werden sollten. Sie beseitigten zudem Straßenbarrikaden und übernahmen auch infanteristische Aufgaben. Im Golfkrieg 1991 legten Angehörige der Engineer Regiments beispielsweise Minenfelder an und beteiligten sich nach dem Ende der Kampfhandlungen am Wiederaufbau ziviler Infrastruktur.

Mit dem Ende der Blockkonfrontation reduzierte Großbritannien seine militärische Präsenz in Deutschland massiv. Das 32 Armoured Engineer Regiment verließ gemeinsam mit den anderen britischen Einheiten im Jahr 1993 Munster, das Museum erhielt die Uniform im Rahmen der Verabschiedung des Regiments.

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Objekt des Monats 09/2023

Objekt des Monats 09/2023

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Eintrittskarten zum Panzermuseum, 2003

Inv. Nr.: DPM 6.2062

Das Deutsche Panzermuseum Munster öffnete im September 1983 erstmals seine Tore. Zuvor waren die Fahrzeuge bereits bei der Lehrsammlung der Bundeswehr zu sehen, jedoch der breiten Bevölkerung nicht öffentlich zugänglich gewesen. Es waren komplizierte Sonderregelungen nötig, wenn Zivilist:innen die Panzer sehen wollten und trotz dieser Hürde fanden bereits in dieser Phase mehrere tausend Menschen pro Jahr den Weg in die Lehrsammlung. Das Interesse an der öffentlichen Ausstellung war bereits im ersten Jahr nach Eröffnung wie erwartet sehr hoch, von 1984 bis 1987 stieg die jährliche Besuchszahl dann von etwa 38.569 auf 72.441 und schwankte von da an zwischen 70.000 und 80.000. In den späten 1990er und den 2000er Jahren nahm das öffentliche Interesse etwas ab und die Besuchszahlen bewegten sich eher zwischen 60.000 und 70.000. Seit 2008 stieg diese Zahl aber wieder dank neuer Öffentlichkeitsarbeit und im Jahr 2013 verzeichnete das Panzermuseum erstmals über 100.000 Besuche/Jahr (104.297).

Seit der Eröffnung des Museums ist viel passiert: Es wurden neue Museumshallen gebaut, neue Ausstellungen gestaltet und neues Personal eingestellt. Auch anhand der Printprodukte kann die stetige Professionalisierung des Panzermuseums abgelesen werden: Die knapp 70.000 Besucher:innen im Jahr 2003 erhielten als letzte noch solche abgerissenen “Rollenbilletts“. Die etwa 1.000 roten Eintrittskarten auf dieser Rolle waren für Gruppen gedacht, zusätzlich gab es noch unterschiedliche Farben für Familien (Grün), Erwachsene (Blau) sowie Schüler und Soldaten (Weiß). Zu Beginn des Jahres 2004 wurde ein Kassensystem eingeführt – damit endete die Ära der Abrissrollen als Eintrittskarten und gedruckte Karten traten an ihre Stelle. Alltagsgegenstände, wie eine Eintrittskarte, die nach Besuch wahrscheinlich häufig weggeworfen wurde, erhalten in dem mittlerweile vierzigjährigen Bestehen des Museums nun Objektcharakter und sind Zeugnis der Museumsgeschichte.

Hohe Besuchszahlen sind für ein Museum erfreulich: Natürlich tragen Eintrittsgelder einen großen Teil zur Finanzierung der Arbeit des Museums bei. Eine hohe bzw. steigende Zahl an Besucher:innen zeigt aber auch, dass das Museum und seine Themen gesellschaftliche Relevanz besitzen und Menschen mit seinen Inhalten erreichen kann.

Zusätzlich zu der Zahl der Besucher:innen ist für Museen zudem wichtig zu wissen, wer überhaupt das Museum besucht. So können die Museumsangebote besser auf die Bedürfnisse, Interessen und das Vorwissen der Besucher:innen ausgerichtet werden. Museen führen hierfür Erhebungen durch, die bis dato letzte im Panzermuseum durchgeführte Befragung stammt aus dem Jahr 2014. Bei etwa 8.000 Befragten wurde festgestellt, dass 78% der Besucher:innen das Museum das erste Mal besuchten, lediglich 22% waren mehrfach da. Erfreulich an dieser Zahl ist, dass jedes Jahr neue Menschen in das Museum gelockt werden, die beispielsweise aus den Medien das erste Mal vom Museum erfahren haben. Sie zeigt aber auch, dass die Motivation für einen weiteren Besuch mit einem größeren Angebot gesteigert werden kann. Wer an einem Tag alles sehen kann und die Ausstellung jahrelang gleich bleibt, kommt eher nicht wieder. Auch die Altersstruktur ist interessant, so hat das Panzermuseum ein ausgesprochen junges Publik mit einem Schwerpunkt zwischen 10 und 49 Jahren. Ein weiteres vielleicht überraschendes Ergebnis war, dass ein Großteil der Besucher:innen keinerlei militärische Dienstzeit geleistet hat und wenn, dann hauptsächlich als Wehrpflichtiger. Diese Ergebnisse geben den Museumsmacher:innen Hinweise, wie beispielsweise die Ausstellung inhaltlich gestaltet, das Angebot im Museumsshop aussehen oder ein Aufenthaltsbereich gestaltet sein sollte. So kann sichergestellt sein, dass das Museum und die Ausstellung auf den Großteil der Besucher:innen ausgerichtet und für möglichst alle zugänglich gestaltet ist.

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Adresse: Sie finden uns in der Hans-Krüger-Str. 33 in 29633 Munster / Niedersachsen. Nächste Bahnstation: Wenn Sie mit der Bahn anreisen möchten, nutzen Sie bitte die Haltestelle Munster/Ortze. Gastronomie und Unterkunft: Alle Fragen zu Unterkunft und Gastronomie beantwortet Ihnen gerne das Team der Munster Touristik.
Diese Hinweise und Regeln dienen dazu, Ihnen den Besuch im Museum so angenehm wie möglich zu gestalten und dabei die Sicherheit und Ordnung in unserem Haus zu gewährleisten. Mit dem Betreten des Museums erkennen Sie diese Regelungen an. Bitte beachten: Hunde und andere Tiere dürfen nicht mit in die Ausstellung genommen werden. Sie können aber auf dem Vorplatz warten. Behindertenbegleithunde sind hiervon ausgenommen. Bitte lassen Sie Ihre Hunde nicht bei extremen Temperaturen im Auto. ...
Führungen Haben Sie Interesse an einer Museumsführung? Alle Informationen zur Anmeldung, Zielgruppen, Kosten und Inhalten finden Sie hier: Anmeldung: Führungen durch das Museum können Sie während der Öffnungszeiten unter +49 (0) 51 92 / 25 52 oder jederzeit per E-Mail buchen. Bitte buchen Sie Führungen mindestens 14 Tage im Voraus. Zielgruppe: Führungen richten sich an Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren. Kinder unter 12 Jahren können leider nicht an diesen Führungen teilnehmen. G...
Die Zahlung ist auch mit EC-Karte und Kreditkarte möglich. Sie können die Tickets auch im Vorfeld des Besuchs über unseren Online-Shop buchen. Dort können Sie auch Gutscheine für einen Museumsbesuch erwerben. Erwachsene10 € Kinder bis einschließlich 5 Jahrefrei Ermäßigter Eintritt (Kinder 6-13 Jahre, Schüler:innen, Auszubildende, Student:innen, Bundesfreiwilligendienst Leistende, Leistungsempfänger (SGB II, SGB XII, AsylbLG mit Nachweis), Schwerbehinderte mit Ausweis (mit Ausweis B...
Januar – Mai: Dienstag bis Sonntag, 10.00 Uhr – 18.00 Uhr, letzter Einlass 17.00 UhrMontags geschlossen. An Feiertagen auch montags geöffnet.Bitte beachten Sie, dass die Hallen ungeheizt sind, in den Wintermonaten kann es kalt sein. Juni – September: Täglich, 10.00 – 18.00 Uhr, letzter Einlass 17.00 Uhr Oktober – Dezember: Dienstag bis Sonntag, 10.00 Uhr – 18.00 Uhr, letzter Einlass 17.00 UhrMontags geschlossen. An Feiertagen auch montags geöffnet.Bitt...