Objekt des Monats 01/2018

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum.
Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten.

Bundeswehrkritisches Plakat „#Yolo – Karriere im Heer“
Inventarnummer: DPM 6.771

Das Plakat gehört zu einer Serie von bundeswehrkritischen Bildern, welche die Kampagne der Bundeswehr „Mach was wirklich zählt“ von 2015 mit „Mach was wirklich weh tut“ persifliert. Abwandlungen der ursprünglichen Kampagne tauchten zunächst als Memes im Internet auf, dann auch im Stadtbild. Der Jugendverband der Partei DIE LINKE hat einige der Motive als Plakate und Aufkleber herausgegeben.

Eine Fotografie des im Jahr 2009 bombardierten Tanklasters in Kunduz bildet den Hintergrund für zwei Textteile: #YOLO (Abkürzung für „You only live once“ = Du lebst nur einmal) greift die Sprache der Jugend auf; ein Anspruch, den die Bundeswehrplakate auch hatten. Der Ausspruch steht dafür, im Leben auch mal Risiken einzugehen. Der Textteil „Karriere im Heer“ bezieht sich auf den Karriereweg von Oberst Klein, welcher den Luftangriff auf den Tanklaster angefordert hatte, bei dem schätzungsweise 100 Menschen starben. Anders als die beiden US-amerikanischen Piloten, welche den Angriff flogen und danach strafversetzt wurden, erfuhr Oberst Klein keine negativen beruflichen Konsequenzen, sondern eine Beförderung zum General.

In einer zweiten Perspektive erzeugt das Motto „#YOLO“ vor dem ausgebrannten Tanklaster auf andere Art Irritation: Die ca. 100 Opfer der Bombardierung sind mit der Annäherung an den Laster ebenfalls ein Risiko eingegangen und dabei ums Leben gekommen. Den Tod von Menschen mit einem launigen Lifestyle-Motto zu kommentieren, erzeugt eine zynische Bild-Text-Schere.

Wieso sammelt das Deutsche Panzermuseum Munster diese Abbildungen? Das DPM sieht seinen Auftrag darin, nicht nur Militärtechnik und Militärkultur zu bewahren, sondern auch Zeugnisse der Beziehung zwischen Militär und Gesellschaft. Prägende Ereignisse, wie das Karfreitags-Gefecht oder das Bombardement des Tanklasters gehören zu zentralen Erinnerungspunkten in der Geschichte der Bundeswehr. Die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit diesen Ereignissen, auch die der KritikerInnen, gehört damit zum integralen Bestandteil der Sammeltätigkeit des Museums.

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Objekt des Monats 12/2017

Objekt des Monats 12/2017

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum.
Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten.

Tigerfibel
Inventarnummer: DPM 6.783

Die Dienstvorschrift D 656/27 war ein technisches Handbuch für die Besatzung der Tiger-Panzer. Im Vergleich zu seinen Vorgängern war der Tiger wesentlich komplexer, was sich in einem erhöhten Wartungsaufwand niederschlug. Da Ausfälle der Tiger teilweise auf Fehler bei eben dieser Wartung und im Betrieb der Fahrzeuge zurückgeführt wurden, ließ der Generalinspekteur der Panzertruppen Heinz Guderian im August 1943 (fast ein Jahr nach Einführung des Tigers) ein neuartiges Ausbildungshandbuch in Reimform herausgeben: „Lies aufmerksam deine Tigerfibel, sonst geht es Deinem Tiger übel.“

Mit kurzen Sinnsprüchen sowie humoristischen und erotischen Illustrationen sollte der Lehrstoff attraktiv gestaltet und besonders eingängig sein. Der Panzer wird in den Illustrationen häufig mit einer Frau verglichen: „Ob blond, ob schwarz, weiß und ergraut, umhege sie wie Deine Braut. Die Wirkung ist dann ungeheuer: Ein Fingerdruck, schon fängt sie Feuer!“ oder „Wie dieses Weibsbild, scheint fürwahr, manch Ziel oft unberechenbar.“ Einige Sprüche sind dabei sehr eindeutig doppeldeutig: „Der Schlamper bringt – kommt er zum Schuß – die Hemmung um den Hochgenuß.“

Im Anhang befinden sich fünf Tafeln, anhand welcher die Reichweite feindlicher Panzer gezeigt werden, um im Falle eines „Duells“ deren Schwachpunkte ausnutzen zu können. Die Panzer sind als Personen dargestellt – beim US-amerikanischen Lee wird das Aufgreifen rassistischer Stereotype besonders deutlich: „General Lee“ ist eine antisemitische Karikatur mit lockigem Haar, großer Nase und Davidstern.

Ein großes Thema in der Fibel war zudem, Sprit und Munition zu sparen: „Für jede Granate, die Du verschießt, hat Dein Vater 100 RM Steuern bezahlt, hat Deine Mutter eine Woche in der Fabrik gearbeitet, ist die Eisenbahn 10 000 km weit gefahren!“ Doch auch das größte Sparen konnte nicht helfen: Das Deutsche Reich litt schnell an Rohstoffknappheit. Dieser Mangel konnte auch durch die eroberten erdölreichen Gebiete in der Sowjetunion und in Rumänien oder die Herstellung von Treibstoff mithilfe von KZ-Häftlingen nicht behoben werden. Die Tiger blieben wie viele andere Fahrzeuge der Wehrmacht zu Kriegsende nicht nur durch Feindeinwirkung und technische Mängel, sondern auch aufgrund von Spritmangel stehen.

Die Vermischung der Bildchen und Reime scheint als wirksam bewertet worden zu sein: Für den Panther kam ebenfalls eine Fibel im gleichen Stil heraus. Und auch nach dem Krieg nutzte die junge Bundeswehr diese Methode mit Publikationen wie der „Sicherheitsfibel“ oder dem semioffiziellen „Fahr taktisch richtig – ein Knigge für Kettenfahrer“ weiter, auch wenn diese wesentlich züchtiger ausfielen. Im „Ketten-Knigge“ taucht sogar Guderian nebst Tiger selbst als gezeichnete Figur auf – so schloss sich der historische Kreis. Lange hielt sich der didaktische Trend jedoch nicht; das Format verschwand rasch.

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Objekt des Monats 10/2017

Objekt des Monats 10/2017

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Wahlplakat der DKP
Inventarnummer: DPM 6.784

Dieses Mal stellen wir ein Objekt des Monats vor, welches wir erst kürzlich erworben haben: Ein Wahlplakat der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP).

Es ist das einzige Plakat der Bundestagswahl 2017, auf dem ein Panzer zu sehen war. Wie der Panzer als Symbol in Debatten genutzt wird, ist für uns immer interessant, weshalb dieses Plakat eindeutig in unsere Sammlung gehört. Heute ist es ‚nur’ ein aktueller Alltagsgegenstand, aber es ist Teil der Kulturgeschichte des Panzers und in 100 oder 200 Jahren kann es für MuseumsbesucherInnen ein spannendes Exponat sein. Ein Museum muss heute auch immer schon für morgen sammeln.

Die Deutsche Kommunistische Partei wurde 1968 in der Bundesrepublik gegründet und war bis 1989 eng mit der SED (Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands) der DDR verbunden. Nach dem Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten in den 1990er Jahren verlor die DKP viele Mitglieder; auch die Gründung der PDS (heute Partei Die Linke) als weitere Partei links neben der SPD ließ viele Mitglieder und WählerInnen abwandern. Heute zählt die DKP nur noch 3.500 Mitglieder und erhielt bei der diesjährigen Bundestagswahl lediglich 11.713 Stimmen – was 0,0 % entspricht.

Der Panzer auf dem Plakat der DKP wird als Spardose dargestellt, in welcher Euromünzen verschwinden. Er steht symbolisch für die Bundeswehr, aber auch für deutsche Rüstungsprojekte. Die DKP lehnt alle Einsätze der Bundeswehr als imperialistische Kriegsführung ab; ebenso den Export von deutschen Rüstungsgütern. Diese beiden Aspekte seien integraler Bestandteil des Kapitalismus, als dessen friedlichen Gegenentwurf sie den Kommunismus sehen. Die Investitionen in Armee und Rüstung verdauerhaften in Augen der DKP den zu überwindenden Kapitalismus und müssen daher beendet werden.

Diese Sichtweise spiegelt sich auch im Slogan „Rauf mit den Löhnen. Runter mit der Rüstung.“ wieder. Er nimmt konkret Bezug auf die aktuelle Debatte der Erhöhung des Rüstungsetats, welche aus Sicht der DKP nur mithilfe von Einsparungen an anderen Stellen des Bundeshaushalts oder Steuererhöhungen finanziert werden könne.

Der Panzer steht hier somit stellvertretend für Rüstung, Krieg und Militarismus. Dies zeigt, dass der Panzer noch immer als zentrale Waffe heutiger Kriege gesehen wird und in seiner symbolischen Wirkung nicht von Drohnen oder anderem Kriegsgerät abgelöst wurde.

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