Ein Vorabeindruck aus der neuen Ausstellung

Die Umstellung in Halle 1 ist abgeschlossen und nächste Woche wird das Museum wieder geöffnet. Erneut gilt unser aufrichtiger Dank den Soldatinnen und Soldaten im Dienst und den Hobbykommandanten im Ehrenamt, die diese enorme Anstrengung nicht nur in Rekordzeit durchgehauen haben, sondern dabei auch stets gute Laune und Enthusiasmus bewahrt haben. Ihr seid grandios!

Als Vorabeindruck bieten wir hier einen kleinen Blick durchs Schlüsselloch auf das zentrale neue Ensemble in der Halle 1. Nebeneinander stehen die drei wichtigsten Panzer des Zweiten Weltkrieges – der Panzer IV, der T-34 und der M4 Sherman. Warum ist uns dieses Ensemble wichtig? Die Antwort umfasst viele Aspekte.

Grundsätzlich sind diese ein, zwei oder drei dieser Panzer durch ihre schiere eingesetzte Masse bei praktisch allen wichtigen Operationen durch den gesamten Krieg dabei gewesen – wenn auch natürlich in anderen Varianten oft. Dadurch ergibt sich ihre Relevanz für den Panzerkrieg: Ihre über 100.000 Exemplare haben den Großteil der Panzergeschichte des Zweiten Weltkrieges geschrieben und das macht sie zu unfassbar wichtigen (stellvertretenden) Zeugen dieses Zeitraumes.

Ihre vergleichende Technikgeschichte gibt enorm viel her: Von der Frage nach Diesel oder Benzin als Treibstoff über die Relevanz des Drei-Mann-Turms und Funk als technischer Grundlage taktischer Erfolge bis hin zu Aspekten wie schräger Panzerung und Formgebung. Allein die Tatsache, wie die drei sich in Höhe und Breite konkret zueinander verhalten, wird sehr viele Leute überraschen. Das Enemble zeigt mal wieder eindrucksvoll, warum „Objekte ansehen“ so viel mehr Eindrücke vermitteln kann als „Datenblatt auswendig kennen“

Industrie-, Wirtschafts-und die Politikgeschichte fließen in diesem Ensemble nahtlos ineinander: Die Frage, wie die Panzer gebaut wurden und wer dafür bezahlt hat, führt unweigerlich zur Frage nach den produzierenden Systemen: Einzelstückfertigung vs. Fließbandproduktion, Polykratie vs. Kommandowirtschaft vs. Kapitalanreizsetzung; Mobilisierung vs. Organisierte Arbeiterschaft vs. Zwangsarbeit und so weiter – all das wird durch diese drei Panzer symbolisiert.

Ihr konkreter Einsatz macht einen operationsgeschichtlichen Vergleich spannend – die Panzerdivisionen des „Blitzkrieges“; der Panzer, der angeblich keine anderen Panzer bekämpfen durfte; die enormen Panzerverluste der Roten Armee sind allesamt Aspekte, die den Kern der Panzergeschichte betreffen.

Neben all diesen Unterschieden ist es aber auch sehr spannend zu betrachten, wo und wie sich die Fahrzeuge auf all diesen Feldern in vielen Punkten glichen: Gleiche oder ähnliche Ausbildungen führten die Entscheider in verschiedenen Staaten zu vergleichbaren Lösungen – sowohl durch internationale, gegenseitige Beobachtung als auch durch voneinander unabhängige Ideen, die sich in „paralleler Evolution“ entwickelten.

Und diese Vergleichbarkeit hilft dabei, auch den Platz dieser drei Fahrzeuge in der Militärgeschichte des Zweiten Weltkrieges fairer zu verorten:  Wenn man sich die Quoten der in Brand gesetzten Panzer IV und T-34 anschaut, ist der Sherman mitnichten ein Ronson oder Tommycooker. Wenn man sich ansieht, welche Einsatz- und Stehzeiten die Panzer IV im Gegensatz zu T-34 und Sherman ansammeln mussten, ist der Panzer IV keineswegs ein langweiliger Panzer. Wenn man sich ansieht, wie sich Panzer IV und Sherman zueinander verhalten, ist der der Sherman mitnichten nur „Tigerfutter“.

Deshalb ist es auch wichtig, dass die Panzer gemeinsam statt gegenüber stehen: Anstatt die Konfrontation von damals heute im Museum zu verdauerhaften oder gar auszunutzen, verdeutlicht das Ensemble die veränderte Welt: Das Panzermuseum wird heute friedlich und freundschaftlich von Menschen aus allen Nationen besucht, die diese Panzer damals gegeneinander benutzt haben und das Ensemble bildet dieses gemeinsame Interesse an unserer gemeinsamen Geschichte nicht nur symbolisch ab, sondern kann inspirieren, diesen Zustand zu verteidigen.

Panzermemedatabase

PANZERMEMEDATABASE

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Nachruf

Links auf diesem schönen Foto sehen Sie Kalle Weber. Das Foto ist wunderbar symbolisch, weil nicht ganz klar ist, ob der Mann sich an den Panzer lehnt oder umgekehrt – denn Kalle Weber war wirklich ein Fundament, eine tragende Säule, ein Urgestein des Panzermuseums.

Über Jahrzehnte hat er in verschiedensten Verwendungen an unzähligen unserer Großobjekte gearbeitet, sei es im militärischen oder im zivilen Kontext. Er hat Bodenfunde von Schrottklumpen in Prachtstücke verwandelt, hat repariert, restauriert und recherchiert – um dann nach den Recherchen wieder neu an den Fahrzeugen zu arbeiten. Seine Organisationskünste und seine Kontakte waren Gold wert und ein wichtiges Schmiermittel hinter den Kulissen. Er hat Fahrzeuge fahrfähig gemacht, fahrfähig gehalten und wenn etwas kaputtgegangen ist, hat er sie WIEDER fahrfähig gemacht. Kalle Weber hat durch seinen Einsatz und seine Arbeitskraft in tausenden Arbeitsstunden ein metallenes Vermächtnis geschaffen, das sich über die gesamte Ausstellung zieht.

Aber nicht nur Metall war seine Leidenschaft, auch mit Menschen konnte er umgehen. Ein ruhiger und bescheidener Mann, war Kalle Weber immer leicht zugänglich und ansprechbar. Nie war er zu sehr Experte, war sich nie zu fein, sein Wissen mit anderen Menschen zu teilen. Jederzeit hat er Fragen beantwortet, bei Problemen geholfen, Hilfestellungen gegeben und unterstützt. Und wenn man sich ehrlich interessierte, bekam man oft noch mehr als nur das, was man eigentlich gefragt hat: Für die, die sich die Zeit nahmen, ihm zuzuhören, nahm er sich stets die Zeit, um noch etwas mehr Hintergrundwissen, noch etwas Kontext, noch ein Detail zu ergänzen. Oft nahm man aus einem Gespräch viel mehr mit als man erwartet hätte. Auf diese Weise hat er nicht nur durch seine eigene Arbeit das Museum geprägt, sondern konnte auch zahllosen Besucher:innen neue Einsichten vermitteln, alle Mitarbeiter:innen des Museums zu besseren „Panzerleuten“ machen und vielen Ehrenamtlichen helfen, zu noch besseren Hobbykommandanten zu werden.


Kalle Weber hat bis zuletzt tatkräftig und voller Freude an „seinen“ Fahrzeugen gewerkelt und geschraubt und Menschen im Museum betreut. Völlig unerwartet ist er am 19.06.2021 an einem Herzinfarkt verstorben.

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