Mit großer Bestürzung haben wir die Nachricht vom Tode von Rolf Hilmes kurz vor dem Jahreswechsel vernommen.
Rolf Hilmes hat sein Berufsleben in verschiedenen Verwendungen rund um “das Dickblech“ verbracht, wie er die Panzerei oft nannte. So war er bspw. als Referent im Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung als Referent für die Bereiche „Panzertechnologie. Vorphasenaktivitäten und Versuchsträgerprogramme“ und „Auswertung fremden Wehrmaterials“ zuständig. Bis zu seiner Pensionierung war er Dozent und Fachgebietsleiter für „Systemtechnik Land“ an der Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik.
Über die Jahrzehnte hat Rolf Hilmes so ein enormes Fachwissen über die Praxis des deutschen und des internationalen Panzerbaus aufgebaut, das er nach seiner Pensionierung mit der Öffentlichkeit geteilt hat, so weit es möglich war. So war er bis Ende 2023 wissenschaftlicher Berater im Vorstand des Vereins der Freunde und Förderer der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz e.V., der er stets tief verbunden war.
Und auch die Entwicklung des Panzermuseums unterstützte er stets mit Rat und Tat gleichermaßen. Er beantwortete jede Frage, war sie auch noch so obskur oder randständig und war auch sonst in jeder Form stets bereit zu unterstützen. Niemals jedoch drängte er sich auf oder nahm an, qua Amt oder Expertise ein Recht auf Einfluss auf das Panzermuseum zu haben, was in der Museumswelt leider oft vorkommt. Diese Form von Höflichkeit und Bescheidenheit war typisch für ihn und machte das Zusammenarbeiten ausgesprochen angenehm.
Ich persönlich kann sagen: Das war nicht selbstverständlich. Rolf Hilmes und ich merkten bei unserem Kennlernen schnell, dass wir uns einem gemeinsamen Thema aus ganz verschiedenen Ecken annäherten. Er war durch und durch Ingenieur und betrachtete das Thema Panzerei stets und exklusiv aus der Perspektive technischer Konzepte und mit einem extrem hohen Detailgrad. Ich als Museumsmensch wollte hingegen die Panzerei multiperspektivisch vermitteln und musste folglich museumsdidaktisch einen niedrigen Detailgrad anstreben. Sowas hätte durchaus in kühler Distanz enden können. Und wir haben auch ein, zwei Jahre gebraucht, bis wir uns dahingehend zurechtgerüttelt hatten, aber dann ist daraus eine sehr freundschaftliche Zusammenarbeit geworden.
Ich habe dann unglaublich viel von ihm gelernt und vor allem verstanden, dass es immer noch eine Ebene von Problemen und Faktoren im Panzerbau gibt, wenn man als Laie gerade geglaubt hat, endlich alles zumindest grob verstanden zu haben. Er hat mir dadurch verständlich gemacht, dass viele Entscheidungen im historischen Panzerbau, die auf den ersten, zweiten und sogar dritten Blick unverständlich oder gar „dumm“ erschienen, auf den vierten Blick dann doch noch einen Grund hatten. Ich habe in den anderthalb Jahrzehnten unserer Zusammenarbeit etliche Stunden einfach nur zugehört und aufgesaugt, entweder ganz ohne Fragestellung oder einfach immer weiter, nachdem eine Frage schon lange beantwortet war. Er hat es einem dabei immer sehr leicht gemacht, weil er einen spüren ließ, dass es wirklich keine dummen Fragen gibt. Er hat sich über jede Nachfrage, und sei sie auch noch so basal, wirklich gefreut, weil er wusste, dass sie ehrliches Interesse anzeigt – und so wurden die Gespräche lang, aber nie langweilig.
Rolf Hilmes seinerseits hat sich zunehmend für die museale Arbeit interessiert und Gefallen daran gefunden, auf diesem Weg zu vermitteln – auch wen ihm das aus Ingenieurssicht oft schmerzvolle Vereinfachungen abverlangte. Seine manchmal im besten Sinne schelmische Art gepaart mit der Souveränität im Thema machten ihn zu einem extrem beliebten Redner und wir sind froh, dass er neben Seminaren im Museum auch immer wieder seine Vorträge im Museum und Interviews mit ihm von uns aufzeichnen ließ, so dass seine Vermittlung nun weiter erhalten bleibt und zugänglich ist. (Wir haben eine Playlist mit seinen Videos angelegt: https://youtube.com/playlist?list=PL6k5QyECppTfzn2Go2KjG6ssykc80cifG&si=SOSqgs_SYfFgEn2A)
Seine Bücher gehören für uns selbst im Alltag zu den ständigen Arbeitsmaterialien, sind immer Empfehlungen, wenn wir nach Literatur gefragt werden und zählen zu unseren Shop-Bestsellern.
Rolf Hilmes hat sich bereits vor Jahren mit uns darüber unterhalten, seine umfangreichen Unterlagen dem Panzermuseum als Konvolut zu überlassen, wenn die Zeit einmal kommen würde. Im Jahre 2024 haben wir dann mit ihm zusammen seine umfangreiche Sammlung gesichtet und den umfangreichen Bestand als Vorlass in die Sammlung des Museums aufgenommen. Er wird momentan von uns verzeichnet und wird dann in den nächsten Jahrzehnten der Forschung als Wissensspeicher zur Verfügung stehen – genau so, wie er es gewollt hat.
Nun ist der Vorlass zu einem Nachlass geworden – und das macht alle im und ums Panzermuseum, die ihn kannten, sehr traurig. Das „Dickblech“ hat einen seiner überzeugendsten Fürsprecher verloren.
Das Team von Panzermuseum und Lehrsammlung ist in Gedanken bei Familie und Freunden von Rolf Hilmes.
Für das Panzermuseum
Ralf Raths