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Objekt des Monats 06/2024

Objekt des Monats 06/2024

Beim Objekt des Monats erzählen wir die (Kurz-) Geschichte eines besonderen Objekts aus dem Panzermuseum. Da wir uns bemühen auch besonders Stücke aus dem Depot vorzustellen, finden sich hier auch ungewöhnliche Objekte und spannende Geschichten.

Flugblatt vom „Bund Deutscher Offiziere“, 1944

Inv. Nr.: DPM 6.2622

 „Hitler, der euch schon seit Jahr und Tag von Niederlage zu Niederlage führt, er allein verschuldete unseren Kessel von Stalingrad und Euren gegenwärtigen Kessel. Er trägt die Schuld des ganzen Unglücks unseres Volkes! […]Der einzige Weg ist die Einstellung der Kampfhandlungen und der Übertritt auf die Seite des Nationalkomitees „Freies Deutschland“!“

Dieses Flugblatt richtete sich an Wehrmachtsoldaten, die Ende Januar 1944 von der 1. und 2. Ukrainischen Front im Kessel von Tscherkassy eingeschlossen waren. Unterschrieben wurde es von General Walther von Seydlitz, der der Kommandierende General des 41. Armeekorps war, mit dem er 1943 bei der Schlacht von Stalingrad in sowjetische Gefangenschaft geriet. Er war Gründungsmitglied des „Bund Deutscher Offiziere“ (BDO) von Offizieren in sowjetischer Gefangenschaft, die sich von Hitler abgewandt hatten, sowie Vizepräsident im Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD), das zusammen mit deutschen Kommunisten im Exil gegründet wurde. Die Gründung des NKFD ging von Stalin aus; dessen Mitglieder und die des BDO verfolgten jedoch unterschiedliche politische Ziele. Dem BDO wurde beispielsweise versprochen, dass Deutschland in den Grenzen von 1937 erhalten bleibe und Seydlitz wollte eine Armee aus Kriegsgefangenen aufstellen, die den Grundstein für eine neue Armee in Nachkriegsdeutschland stellen sollte. Insgesamt brachte das NKFD über 100 Millionen Flugblätter heraus, viele Hunderte wurden direkt an Truppenteile adressiert, die sich in problematischen taktischen Situationen befanden.

Dieses Flugblatt war Teil einer größer angelegten Frontaktion: Seydlitz verfasste mit anderen Offizieren des BDO außerdem persönliche Briefe an die Kommandeure der eingeschlossenen Verbände und organisierte Lautsprecherdurchsagen an der Front, in denen sie zur Aufgabe der Kampfhandlungen und dem Widerstand gegen Hitler aufriefen. Dieser war beunruhigt über die mögliche Wirkung von Seydlitz‘ Aufrufen, weshalb die mit Frontkommandos betrauten Generalfeldmarschälle eine Ergebenheitserklärung gegenüber Hitler abliefern sollten. Das Reichskriegsgericht verurteilte Seydlitz zudem in Abwesenheit zum Tode und seine Familie wurde in „Sippenhaft“ genommen – seine Frau wurde sogar dazu gezwungen, sich von ihm scheiden zu lassen.

Die Bemühungen des NKFD und BDO blieben jedoch vergebens; die bei Tscherkassy eingeschlossenen Verbände versuchten weiterhin auszubrechen, was ihnen teils nur unter hohen Verlusten gelang. Der Panzersoldat, der dieses Flugblatt aufsammelte, war Teil des 23. Panzerregiments. Er war nicht im Kessel eingeschlossen, sondern zwischen Uman und Winnyzja an Kämpfen beteiligt. Sowohl die Wehrmacht als auch die Rote Armee werteten die Schlacht als Erfolg.

Literatur:

Ueberschär, Gerd R. (Hg.): Das Nationalkomitee „Freies Deutschland“ und der Bund Deutscher Offiziere, Frankfurt a. M. 1996.

Frieser, Karl-Heinz: „Tscherkassy 1944 – ein zweites Stalingrad?“, Zusammenfassung des Vortrags: https://www.gsp-sipo.de/organisation/landesbereich-iv/fulda?tx_sfeventmgt_pievent%5Baction%5D=detail&tx_sfeventmgt_pievent%5Bcontroller%5D=Event&tx_sfeventmgt_pievent%5Bevent%5D=3649&cHash=f7591d3d1c3c1ef0610b2a9db89cea10

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